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Hier werde ich ab sofort alle meine CD-Reviews hinterlegen, die ich für Gestromt verfasse.

veto-280x280HEAVEN SHALL BURN – Veto

(Century Media)

Ich mache keinen großen Hehl daraus. Ich bin kein großer Fan von den Jungs aus dem wilden Osten. Die erste Scheibe und einen frühen Gig habe ich mir mal gegeben, danach war die „Euphorie“ verflogen. Auch das ‚Black Tears’-Cover von meinen Jugendhelden Edge Of Sanity hat mich mehr oder weniger nicht berührt. Warum also gebe ich mir mit „Veto“ das neue Werk von HEAVEN SHALL BURN? Schuld daran ist mein guter Kunde Sebastian, der sich regelmässig zu HSB-Songs den Puller schubbert und mir androht, einen großen Haufen vor die Salontür zu setzen, wenn ich mich weigern würde. Und da Scheiße stinkt, habe ich nun nachgegeben. Ein weiterer Grund ist natürlich der Impericon „Platte des Jahres“ Kampf mit Bring Me The Horizon. Die Engländer haben bei mir ja bekanntlich gnadenlos abgeräumt.

Mit cleanen Gitarren geht es bei ‚Godiva’ los. Aber vorzugsweise nur einige Sekunden, denn dann brät die HSB-Maschinerie los. Sänger Marcus Bischoff keift in gewohnter Manier ins Mikro und die Doublebass gibt ein Mordstempo vor. Auch im Anschluss wird es  mit ‚Land Of The Upright Ones’ nicht langsamer. Im Gegenteil, denn hier legen HSB ein paar Briketts dazu, strapazieren die Nackenmuskeln des Hörers dabei deutlich und das Ganze gestaltet sich zudem sehr abwechslungsreich. Ob man nun einen Song mit deutschen Lyrics dabei haben muss, habe ich mich bei ‚Die Stürme Rufen Dich’ einige Male gefragt. Vor allem wenn man mit Callejon diesen Bereich bereits abgedeckt hat. Ich finde man muss es nicht, aber ein Weltuntergang sieht auch anders aus. Gott sei Dank kommt das Thüringische im Akzent nicht zum tragen. Ansonsten hat der Song einen guten Schwung und zeigt höchsten Anspruch der Instrumentalfraktion. Das Selbe kann auch ‚Fallen’ von sich behaupten und bietet zwar außer einer geilen Melodie zwischendurch nichts Neues, aber trotzdem viel gewohnt Gutes. ‚Hunters Will Be Hunted’ fängt mit Sythies gespickt ein wenig anders an und hält sich vorzugsweise im Midtempo auf, welches eine gute Abwechslung zum typischen Geballer darstellt, phasenweise aber auch hier eingestreut wird.

Ganz böse wird es bei ‚You Will Be Godless’ und zu den tief getunten Vocals gesellen sich wieder ein paar fette Blastbeats. Die Nummer ist dann eher schon im Death Metal anzusiedeln. Kommen wir als nächstes zum Highlight auf “Veto”. Und ich weiß, viele der HSB-Fan-Kiddies kennen das Original nicht und werden beim Hören dessen der Neuversion das Prädikat „Besser“ geben. Ganz unrecht haben sie auch gar nicht mal, denn ‚Valhalla’ ist richtig gut gelungen und hat immerhin mit Blind Guardian Legende Hansi Kürsch das Original zur Verstärkung. Diese Nummer darf man ruhig öfter auf der Scheibe anskippen. Das kann man bei ‚Antagonized’ natürlich auch, wenn man es mit schleppenden Klängen zu Beginn aushält, aber auch hier dauert es nicht lange, bis die Maschine wieder scheppert. Auch ‚Like Gods Among Mortals’ schlägt sich wacker und in diese Kerbe. ‚53 Nations’ hingegen hat eine richtig gute Portion Groove und ist mit ein paar dominanten Breakdowns gespickt, die in einen großartigen und melodischen Part münden. Last but not least streichelt uns ‚Beyond Redemption’ zuerst die Wange, lässt es sich aber ebenfalls nicht nehmen, uns im Verlauf ein letztes Mal auf die Fresse zu hauen.

Am Ende bleibt mir zwar die Erkenntnis immer noch kein grosser HSB Fan zu sein, aber es mit einer sehr guten Scheibe zu tun gehabt zu haben, die alles andere als eine Zeitverschwendung darstellt. Verdiente 5 Blitze.

Album-VÖ: 19.04.13

http://www.gestromt.de/2013/04/29/heaven-shall-burn-veto/

ke-280x280KILLSWITCH ENGAGE – Disarm The Descent

(Roadrunner Records)

Die Götter und einstigen Wegbereiter des Metalcore sind back. Und wohl keine andere Band hat diesen Musikstil so geprägt und salontauglich gemacht, wie die Mannen um Gitarrengott Adam D.. KILLSWITCH ENGAGE hauen mit „Disarm The Descent“ ihre sechste Rille raus und haben für dieses und andere Unterfangen Howard Jones entsorgt und mit Jesse Leach das alte Schlachtross zurück in den Stall geholt. Die einen halten es für einen Segen, einige andere eher nicht. Black Beauty Howard Jones hat seine Sache schon sehr ordentlich gemacht und war immerhin bei der erfolgreichsten Scheibe „The End Of Heartache“ an der Brüllorgel. Aber nun was soll es. Nicht in der Vergangenheit schwelgen, sondern auf das Vorhandene schauen. Und schon hauen wir uns das Teil um die Ohren.

‚The Hell In Me’ startet mit einem ordentlichen Blast durch die Hütte. Keifende Vocals in bester Jesse-Manier gepaart mit einem ordentlichen Zwischengang an Melodie. ‚Beyond The Flames’ hält das Tempo oben und lässt keinen Zweifel am Killswitch Sound aufkommen. Allerdings fehlt mir ein wenig die Rotzigkeit vergangener Tage. Die kommt dann aber mit ‚New Awakening’ zurück und sogar ein paar kurze, untypische Gangshout Passagen sind zu vernehmen. Im Januar durfte bereits ‚In Due Times’ bestaunt werden, ein Song, der sich mit seinem prägnanten Chorus bereits nach zwei Durchgängen in die Rinde fräste. Ein weiterer sehr geiler Song steht mit ‚A Tribute To The Fallen’ an. Hier erinnern wir uns endlich an die glorreichen Zeiten, als mit „Alive Or Just Breathing“ die Muschis vor der Tür gelassen wurden. ‚The Turning Point’ hat auch eine Menge zu sagen und haut ein paar richtig tiefe Growls raus. Auch die Rhythmik stimmt bei dieser Nummer, auch wenn mir der ausfadende Abgang nicht ganz zusagt.

Es bleibt hart im Garten mit ‚All That We Have’. Jesse soll ja damals einige Stimmprobleme gehabt haben hiess es nach dem ersten Split. Schonen tut sich der Gute hier aber nicht wirklich. Nichts Neues aber auch nichts Schlechtes gibt es mit ‚You Don’t Bleed For Me’ zu hören. Der Chorus ist mit Doppelgesang allerdings schick arrangiert und einen chilligen Mittelpart gibt es ebenfalls. ‚The Call’ zieht im Anschluss wieder an der Temposchraube und man wird im Blastpart sogar im Gesang melodisch. Sehr beeindruckend. Im Endspurt kommt mit ‚No End In Sight’ einer der stärksten Songs des Albums. Abwechslung und diverse Variationen im Groove werden dankend abgefeiert. Richtig langsam wird es mit ‚Always’, dem heimlichen Pussysong auf „Disarm The Descent“. Hier darf Jesse Leach seine Sangeskünste noch einmal voll ausleben. Im Abgang bekommen wir mit ‚Time Will Not Remain’ die letzte Breitseite verpasst. Tempo, Melodie und ganz viel KILLSWITCH ENGAGE.

Mein Fazit fällt am Ende aber nicht ganz so euphorisch aus wie bei meinem liebsten Zosse. Ich finde die Rückkehr von Jesse Leach gut, hätte mir allerdings ein paar mehr Ideen gewünscht. Vom Sideproject Times Of Grace war ich damals so geflasht, dass ich mit ‚Disarm The Descent’ zwar warm, aber nicht heiss werde. Ihre Supportband Heartist haben mich da mehr überzeugt.

Album-VÖ: 29.03.13

http://www.gestromt.de/2013/04/04/killswitch-engage-disarm-the-descent/

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HEARTIST – Nothing You Don’t Deserve EP

(Roadrunner Records)

Bevor wir uns den Königen von Killswitch Engage widmen, haben wir noch ein paar junge Prinzen am Start. Die Kalifornier von HEARTIST schwingen erst seit 2011 gemeinsam ihre Instrumente und kommen demnächst mit ihren großen Vorbildern gemeinsam auf Tour. Damit man allerdings nicht mit leeren Händen dasteht, schmeißen die Jungs noch eine frische EP auf den Markt. Und wenn man schon von den großen Roadrunner Records unter Vertrag genommen wird, so muss man qualitativ auch einiges vorzuweisen haben. Ohne vorher jemals etwas von HEARTIST gehört zu haben, können wir uns nun ganz unvoreingenommen den sechs Songs widmen, schließlich möchte man auch erfahren, ob man sich eine spätere Ankunftszeit in Hannover zum Gig erlauben kann, oder sich die Jungs tatsächlich lohnen.

Elektronisch geht es bei ‚Disconnected’ los, um dir nach kurzer Einleitung richtig in den Arsch zu treten. Ein richtig fettes Brett mit saugeilem Refrain, der nach kurzer Zeit einfach mitgesungen werden muss. Tonnenschwere Riffs schieben den Spaß in die richtige Richtung. Ich bin gespannt, ob Frontmann Bryce Beckley die ganz hohen Töne auch live beherrscht. Der Gesang an sich ist im Übrigen sehr abwechslungsreich. Von tiefen Shouts, sehr hohen, emolastigen Parts, bis hin zu einer cleanen, sehr männlichen Note. Viel musikalische Abwechslung wird uns auch mit ‚Rhinestone’ geboten. Sehr spielfreudig präsentiert sich hier die Instrumentalfraktion. Ein schickes Metalgewand und etwas weniger Core erwartet den Hörer in knapp vier Minuten Spielzeit. Der Song ‚The Answer’ schließt nahtlos an und bietet auch einen obligatorischen „OhhOhhOhhh“ Teampart zu Beginn. Im Verlauf sticht vor allem der Gesang brilliant heraus, der hier unglaublich facettenreich präsentiert wird.

Der Anfang von ‚Where Did I Go Wrong?’ erinnert in seinen Anfangssekunden sehr an frühere 36 Crazyfists und das kann ja bekanntlich nie schlecht sein. Die Eigenständigkeit stellt sich allerdings schneller ein, als man Cafe Latte sagen kann und so haben wir den nächsten Ohrwurm in der Muschel. Selbst auf dem Pott hab ich noch „Tell me, tell me“ gesungen. Im Anschluss wird es mit dem Titeltrack tonnenschwer. Elektronische Spielereien und keifende Vocals gepaart mit einer Menge Schmissigkeit (jaja 80er Jahre Ausdruck) lassen unser Tanzbein schlackern. Die letzte Nummer ‚Heart Of Gold’ geht etwas gemächlicher zu Werke. Aber auch hier entfalten sich die Vocals zu einer wahren Macht. Zu etwas punkigeren Zwischenparts lässt sich ein wenig Dynamik aufbauen, um den Hörer noch einmal von der Couch oder live vom Bierstand zu locken. Ein gelungener Abschluss.

Der experimentelle Ansatz von HEARTIST ist wirklich sehr beeindruckend und man hat mit dieser EP einen echten Knaller hingelegt. Wenn die Amis jetzt live noch genauso tight zu Werke gehen und das erste Full-Lenght Album die gleiche Qualität besitzt, werden diese Jungs richtig groß. Da bin ich mir sicher. Einen halben Blitz ziehe ich dennoch ab, um ihn mir für das Komplettwerk aufzuheben.

Album-VÖ: 29.03.13

http://www.gestromt.de/2013/03/29/heartist-nothing-you-dont-deserve-ep/

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BRING ME THE HORIZON – Sempiternal

(RCA Int. / Sony Music)

Als kommendes Album des Jahres wird “Sempiternal” bereits gehandelt. Kein Wunder, war der Hype um Oli Sykes und Co in den letzten Jahren ordentlich. Zurecht wie ich meine, denn ihr Musikstil hat sich stark optimiert, ist massenkompatibler geworden, ohne allerdings völlig zu kommerzialisieren. Der Vorgänger (ich spare mir an dieser Stelle den langen Titel, der sogar noch länger wäre, als dieser Satz) hat sich in meinem Drehstübchen (Anm.: CD-Player) immerhin zur Scheibe des Jahres 2011 rotiert. Und nun dürfen wir uns endlich dem neuen Mach(t)werk widmen, welches sich laut Impericon ein heisses Duell mit der kommenden Heaven Shall Burn liefern wird. Mit dem schattierten Moses (‘Shadow Moses’) durfte vorab bereits ein starker Titel erworben werden und mit ‘Sleepwalking’ ein weiterer Output im Videogewand begutachtet werden. Aber nun von Anfang an.

BRING ME THE HORIZON legen mit ‘Can You Feel My Heart’ ruhiger, aber nicht weniger fulminant als gewohnt los. Ein prägnanter Keybord-Teppich legt dabei den Grundstein zur Wiedererkennung. Midtempo, melodischer Gesang? Da wird sich doch hoffentlich keiner dem Kommerz ergeben haben? Nein, denn mit ‘The House Of Wolves‘ hauen die Jungs ordentlich in die Seiten und Oli strafft die Gurgelbänder. Geile Breaks ohne Downs runden die geile Nummer inklusive melodischer Zwischenparts ab. Kurz vor ‘Empire (Let Them Sing)’ muss ich kurz die Pausentaste betätigen, um bloß nichts zu verpassen, denn unglaublich viele Nuancen sind zu entdecken, die sich mit einem einmaligen Hören keinem Fan erschliessen werden. Der Song ansich begeht weiterhin das Gebiet des Midtempos, welches mit ordentlichem Druck und Verstand versehen ist. Rein spielerisch betrachtet scheinen BMTH ihre Milliönchen noch einmal in Instrumentalkunde investiert zu haben, denn es ist ein deutlicher Sprung zum Vorgänger in Punkto Vielseitigkeit zu vernehmen. Das Video zu ‘Sleepwalking’ ist schon ziemlich cool, der Song aber noch geiler. Im Vocal-Bereich roh und mitgröhlbar, der Rest stimmig und tanzbar arrangiert, avanciert die Scheibe immer mehr zu meinem persönlichen Highlight der letzten Monate und dass nicht nur auf 2013 bezogen. ‘Go To Hell, For Heavens Sake’ schließt nahtlos an und hat durch seine ebenfalls eingängige Struktur einen hohen Wiedererkennungswert mit ebenfalls hohem Mitsingfaktor. Mit dem eingangs erwähnten ‘Shadow Moses’ haben wir das erhobene Glanzstück auf “Sempiternal” ausgemacht. Dominierende Gangshouts und trotzdem ganz viel Melodie und in den Lyrics eine Huldigunng in Richtung des Albumtitels. Das powert wie die fette Sau.

Ein paar Momente zum Runterkommen hat man mit ‘And The Snakes Start To Sing’. Die Gitarren werden kurzzeitig ausgeblendet, um ganz viel Gefühl durch Elektro aus den Boxen zu bringen. Fünf intensive Minuten erwarten den Hörer hier und nur gelegentliche Riffs geben die Rockballaden-Note. Zum Ende hingegen noch einmal der obligatorische Ausbruch, der nicht zwingend gebraucht wurde, aber auch nicht ungeil ist. Schmissig rockig wird es mit ‘Seen It All Before’ und hier ist der Name nicht Programm, denn BMTH bringen hingegen diverser anderer Genrekollegen frischen Wind unter die Achseln. Was hier im Zwischenspurt auch löblich erwähnt werden muss, ist die Tatsache, dass es endlich mal wieder eine Band fertig bringt, die jeweiligen Tracktitel auch in ihren Lyrics zu verbauen. Ein Phänomen, welches mir in der Vergangenheit öfter abhanden gekommen ist und für mich den wiederkennenden Mitsingmoment ausmacht. Einen der härtesten Songs gibt es mit ‘Anti-Vist’, eine Nummer die ordentlich fuckt und meinen “Autositzmoshpit” zum Beben bringen wird. Noch so eine fette Sau. ‘Crooked Young’ hätte von seinem Schmiss her auch gut auf die letzte Scheibe gepasst und es scheint, als wollen die Engländer zum Ende der Rille noch einmal ein paar Brickets in den Ofen legen. Allerdings darf auch hier die Atmosphäre nicht fehlen und so haben wir ein paar Elektrostreicher am Start. Weitere zehn Nummern hätte man hier mindestens noch vertragen können, aber leider sind mit ‘Hospital For Souls’ die letzten sechs Minuten angebrochen. Ja und was soll man hier auch Weiteres schreiben, als das letzte fette “Geil”.

Das Jahr ist zwar noch relativ jung, aber das war es bei meiner letzten Scheibe des Jahres (Stick To Your Guns “Diamond”) auch. BMTH haben mit “Sempiternal” ein weiteres Glanzstück abgeliefert und sich nach dem grandiosen Vorgänger noch einmal steigern können. Um den Impericon “Album des Jahres”-Vergleich mit Heaven Shall Burn am Ende noch einmal aufzugreifen. Die Ossis können ruhig kommen. Sechs fette Blitze.

Album-VÖ: 29.03.2013

http://www.gestromt.de/2013/03/22/bring-me-the-horizon-sempiternal/

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NASTY – Love

(Bdhw Clo. & Rec. (Soulfood))

Die Belgier von NASTY haben sich mittlerweile in Deutschland eine ordentliche Fanbase aufgebaut. Kein Wunder, zählen sie doch mittlerweile zur europäischen Hardcore -Elite.Mit ihrem nunmehr dritten Output beglücken die Mannen um Frontmann Matthi auch 2013 wieder die ganz Harten im Garten. Auch wenn uns, wie im Hardcore üblich, keine tagesfüllende Spielzeit erwartet, so liegt doch auch in der Kürze die Würze und so genehmigen wir uns am frühen Morgen einen kleinen, aber harten Quickie.

Das Intro geht mit etwas über einer Minute Spielzeit in etwa genau so lange wie das Gros der 14 Songs und gibt außer ein paar fremdkultureller Klänge, noch eine schicke Frauenstimme samt Gewitter dazu, um dir im Anschluss mit ‘Hell On Earth’ das erste Mal die Mütze vom Kopf zu blasen. NASTY-typische Bratapfel-Gitarren und ein paar Kraftausdrücke lassen eine wütende Grundstimmung vermuten. Man kommt kaum dazu, zwei Sätze zu schreiben und schon befinden wir uns bei ‘Fake Smile’ im dritten Song. Und wieder wird es hart und roh und richtig geil. Gangshouts und eine Schwere, die dich als Hörer förmlich erdrückt, aber ganz im Positiven, denn diese drei Zentner Lady weiß genau, wie sie dich Hardcore mässig zu reiten hat. Kurzes Rauschen und Piepsen bei ‘Skit 1′ und schon wird es ‘Scheisse’. Da sich das Fäkalwort hier in Anführungsstrichen befindet, lässt sich natürlich vermuten, dass es nicht etwa schlecht wird, sondern ein deutscher Titel herhalten musste. Schließlich möchte man ja seinem Publikum auf der kommenden Tour in Städten wie München, Hamburg, Stuttgart oder wo auch immer, seine fulminanten Deutsch-Kenntnisse präsentieren. Und siehe da, sogar die Lyrics/Worte sind in unserer Landessprache gehalten, also schraube ich meinen Sarkasmus etwas herunter. Sieht man einmal von der Genre-typischen Propaganda des Textes ab, ist es ein richtig geiles Monster, welches allerdings bei unserer Bundes-Angie auf Protest stoßen würde. Aber wen juckt es.

Langer Titel in gewohnt kurzer Dauer, mit ‘Look At Me And Fuck You’ hat man eigentlich alles gesagt und das Ganze natürlich mit entsprechendem Nachdruck. Einige schwere und recht doomige Passagen lassen etwas Abwechslung zu und gehen nahtlos in ‘Skit 2′ über. Nach ein paar kurzen Worten vom wohl belgischen Nachrichtensprecher in englischer Sprache, bekommt der Hörer wieder 31 kurze Sekunden mit ‘My Brain Went Terribly Wrong’ die Mütze voll, um mit dem letzten Skit, nämlich ‘Skit 3′ über alles weitere aufgeklärt worden zu sein was in Belgien noch so geht ausser Pommes und Schokolade. Die Reichen brauchen Sklaven und wie in Django: Unchained bekommen wir diese bei ‘Slaves To The Rich’, aber eben mit etwas mehr Hardcore. Ein kurzes Zwischenspiel mit ‘Interlove’ und schon haben wir den Titelsong am Wickel. Viel ‘Love’ und noch mehr Power. NASTY laufen zur Höchstform auf und siehe da, es geht auch in clean, wenn auch nicht sonderlich gut, aber männlich klingt es trotzdem. ‘The Power’ gibt uns noch einmal einen guten Zwischenspurt, bevor es mit ‘ZeroTolenrance’ ins Finale geht. Und hier wird noch einmal ordentlich gekurbelt, wenn auch melodischer als in den Ergüssen zuvor. Aber hier wird noch einmal ordenlich abgespritzt in Brügge.

Am Ende bin ich zwar nicht schwer, aber doch ordentlich begeistert vom neuen NASTY-Werk. Und somit dürfen sich die Belgier 4 und einen halben Blitz einstreichen.

Album-VÖ: 22.02.2013

http://www.gestromt.de/2013/03/10/nasty-love/

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AS THEY BURN – Will, Love, Life

(Victory Records)

AS THEY BURN sind nunmehr die dritte Band, die ich aus dem Hause Victory in diesem Jahr rezensieren darf. Neulich wurde ich verwundert gefragt, ob es das US-Label tatsächlich noch gibt. Die fleißigen Veröffentlichungen sollten nun keinen Zweifel mehr daran aufkommen lassen. „Will, Love, Life“ ist mittlerweile der dritte Output von AS THEY BURN. Die Franzosen haben 2009 bereits eine EP und 2011 ein Full Length-Album an die Metalfront gebracht, wobei der Bekanntheitsgrad in Deutschland immer noch gering ist. Bei einigen Kollegen im Netz wird der Stil als Deathcore deklariert, eine Meinung, die ich auf der neuen Rille allerdings nicht teilen kann.

Der erste Song ‚Medicine 2.0’ startet mit einigen sehr bratigen Gitarrensalven, um danach gleich in eine Keyboard-Sphäre einzutauchen, die dem Song kurzzeitig eine enorme Höhe beschert. Die Vocals erinnern dabei stark an I The Breather, was aber weniger störend ist, als diverse Sprechpassagen zwischendurch. ‚Origin’ pumpt dagegen ein wenig anders. Mehr Breakdowns und die Vocals von Fronter Kevin Traore gehen in die Tiefe und haben einige Lamb Of God Tendenzen zu verzeichnen (Zosse möge mir diesen Gottvergleich verzeihen ;) ). Die eingestreuten Programming-Effekte lösen das Ganze von Zeit zu Zeit auf. Bei ‚Dream Collapse’ geht es flüssig weiter und lässt vor allem die Gitarrenfraktion ordentlich fiedeln, unterschiedliche Effekte kommen hier zum Einsatz und lassen die Bodenpedale qualmen.

‚Conscious Man’ bietet erneut der Brathähnchenfraktion Futter, denn die Seiten werden erneut bratig gequält. Der Keyboard-Zwischenpart hat sogar ein bisschen was von Korn, die ja in Frankreich seit jeher eine Macht sind, ein paar cleane Vocals inklusive. Angeben können AS THEY BURN damit aber nicht. Aus der Reihe nix Neues kommt ‚Isis’. Beständigkeit ist schön und gut, Abwechslung aber auch und mitunter sogar noch besser. Einzig der Spannungsaufbau durch sich aggressiv steigernde Vocals haut rein. Danach folgt mit ‚ Frozen Vision’ ein Zweiteiler, wo einer auch gereicht hätte. Musikalische Konzepte sind ja ganz gut, aber dann bitte ein wenig besser verteilt. An Position sechs und sieben macht das wenig Sinn. ‚When Everything Falls Apart’ hingegen gefällt richtig gut. Dieses ordentliches Tempo und die tolle Vocal-Vielfalt hätte ich nach dem Zwischentief nicht mehr erwartet. Der mit Abstand beste Song der Rille. ‚Z(H)Ero’ ist dagegen der genaue Gegenpart, der allerdings nur von kurzer Dauer ist, denn der Übergang zu ‚F.R.E.A.K.S’  ist nahtlos und schon werden hier wieder die Seiten malträtiert. Den Abschluss bildet ‚Sons Of Shiva’ und pumpt noch einmal alle Energie der Franzosen durch die Boxen ohne sich allerdings erneut den Inovationspreis zu verdienen.

Die letzten vier Songs haben dafür gesorgt, dass AS THEY BURN von mir noch einen halben Blitz mehr bekommen, aber mehr als 3 ½ sind leider nicht drin.

Album-VÖ: 22.02.2013

http://www.gestromt.de/2013/03/01/as-they-burn-will-love-life/

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BULLET FOR MY VALENTINE – Temper Temper

(Sony Music)

Und nun darf ich dann doch meine erste namhafte Kombo 2013 rezensieren, um unserer allseits beliebten Seite für Spaß- und Schunkelmusik einen Promifaktor mehr auf die Startseite zu zaubern. Meine Liebe zu den Bullets ist zugegebenermaßen in den letzten Jahren sehr abgeflacht. Nie konnte die Truppe um Matt Tuck ihren Erstling „The Poison“ gebührend weiterführen. „Scream Aim Fire“ und „Fever“ waren zwar ganz ok, aber wenig Knüller und viele Filler ließen die Gemeinde weniger jubeln, als zu den Anfängen ihres Schaffens. Was können BULLET FOR MY VALENTINE nun also auf „Temper Temper“ besser machen? Zurück zu alten Glanzzeiten, oder sich noch einmal neu erfinden?

Ohne langes Introgehabe geht es mit ‚Breaking Point’ los. Gemächlich, melodisch, aber mit ordentlichem Tempo versehen, beginnt die Fahrt. Einige Breaks und ein paar Screams geben den härteren Grad dazu. ‚Truth Hurts’ nimmt danach ein wenig den Fuß vom Gas und groovt etwas mehr in Midtempo-Gefilden. Im Moment kann man noch nichts Schlechtes, aber auch nichts Überragendes feststellen. Beim Titelsong braucht die Gitarrenfront flinke Finger. Zwar ist das Tempo zu ‚Temper Temper’ nicht übermenschlich, doch schrammeln die Äxte ordentliche Salven gen Ausgang. ‚P.O.W.’ ist der bis dato stärkste Song der Scheibe. Ruhiger Start und sehr gelungene Melodieführung mit Ohrwurmcharakter. Schmutzig wird es bei ‚Dirty Little Secret’ im Anschluß nicht, zumindest nicht bei der Instrumentalfraktion. Alles clean und sauber, war wohl doch eher die Geschichte dahinter gemeint. An ‚Leech’ kann ich mich noch aus Kindertagen erinnern. Das war das Saugmonster der wilden Horde aus Masters of the Universe. Aber ich denke, das grüne Vieh ist hier nicht gemeint. Trotzdem sehr cooler Song mit guten Tempovariationen.

Balladesk und gemächlich lässt uns ‚Dead To The World’ verschnaufen. Nicht dass wir das jetzt schon gebraucht hätten, aber für die älteren unter den Hörern ganz ok. Wobei dann gegen Ende die Schraube doch noch einmal anzieht. Endlich wird es mit ‚Riot’ etwas dreckiger und weniger Mainstream, auch wenn die Lyrics eher klassisch agieren. Aber eine durchaus perfekte Wahl für das erste Video. ‚Saints & Sinners’ hat Tempo und das Rotzige im Sound wird glücklicherweise fortgeführt, auch ein ordentliches Solo im Zwischenpart bekommt der Hörer spendiert. Einen zweiten Teil von ‚Tears Don’t Fall’? Da lehnen wir uns doch interessiert zurück und horchen rein. Und tatsächlich gibt es etliche Parallelen zu vernehmen und es lässt sich ein beachtlicher Nachfolger resümieren. Das Ende naht und gibt uns mit ‚Livin’ Life (On The Edge Of A Knife)’ den passenden Titel dazu. Es wird noch einmal heavy, rough und glücklicherweise haut Matt Tuck noch ein paar Screams raus.

BULLET FOR MY VALENTINE anno 2013 sind nicht wieder die Alten und ganz neu auch nicht. Zum Ende hin wird „Temper Temper“ richtig gut und hat den mauen Start gut kompensiert. 4 schlanke Blitze.

Album-VÖ: 08.02.2013

http://www.gestromt.de/2013/02/07/bullet-for-my-valentine-temper-temper/

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FALL CITY FALL – Victus

(Victory Records)

Die letzte Arschbombe in Form der Band Continents noch nicht verdaut, wartet auch schon die nächste Kombo aus dem Hause Victory Records. Nur handelt es sich bei den Kanadiern nicht um eine Neueroberung, sondern bereits um Etabliertes und von daher kann ich etwas positiver gestimmt an die Sache heran gehen. Interessant finde ich schonmal den Aspekt, dass FALL CITY FALL mehr Vokalisten aufzuweisen haben, als Gitarristen. Mir fallen spontan nicht viele Bands ein, wo es diese Konstellation gibt, aber das nur am Rande. Verglichen wird der Fünfer häufig mit Bands wie The Dillinger Escape Plan, The Chariot oder auch Every Time I Die. Ob man allerdings mit diesen großen Namen auf „Victus“ mithalten kann, gilt es in Erfahrung zu bringen.

Viel Spielzeit steht uns nicht zur Ansicht, aber das ist man von ordentlichen Hardcore-Scheiben gewohnt und so gibt es beim Opener ‚St. James’ auch keine zwei Minuten zum warm werden, zumal man hier auch sehr gemächlich startet. Viel Gitarre und ein paar Drums werden eingestreut, um danach noch ein paar Lyrics los zu werden. Richtig los geht es erst mit ‚Dissentipede’ und da holzt der Michel gleich ein paar Scheite aus den Boxen. Gepflegtes Chaos und einige Parallelen zu oben genannten Bands sind zu vernehmen. Gestresst bin ich aber noch lange nicht, auch nicht beim nächsten Auswurf ‚Anxiety Attack’. Ein rasantes Tempo und richtig gut geführte Vocal-Passagen lassen den Hörer das Tanzbein aus dem Schrank holen. ‚Bitter To End’ ist ebenfalls ziemlich chaotisch, aber eher Richtung Dillinger, als auf Pfaden von The Chariot wandelnd. Wozu braucht man auch einen zweiten Gitarristen, wenn man mit Jordan Storey einen Alleinwupper an der Axt hat. Viel Liebe ist bei ‚Lovebirds’ in der Luft. Natürlich mit dem entsprechenden Augenzwinkern, denn hier gibt es keinen Blümchensex für frisch Verliebte, sondern puren Hardcore für Fortgeschrittene und Techniker. ‚Many Masters’ haut ebenfalls gut auf die Mütze, hat aber weniger Tempo und mehr Groove zu bieten. Mein Zwischenresume fällt schon mal sehr positiv aus und lässt die Gurken von Continents schnell vergessen.

Bei ‚Many Lives’ geht es mit Ruhe und Bedacht los, steigert sich gemächlich im Pegel, um dann mit ‚Shallow Believer’ wieder ein wenig „Math“ zu servieren. Ein paar Gangshouts dürfen auch mit dabei sein, ein Stilmittel, welches bis dato nicht zur Debatte stand, aber durchaus brauchbar in diesem Moment erscheint. Wer einen stressigen Quickie braucht, der haut sich ‚Dead Saint’ in die Dauerschleife und schaut, wann er mit dem Kopf gegen die Wand rennt oder sich vom Balkon schmeisst. Pures Chaos, aber geil. ‚Taken’ gibt uns kurze Ruhe und lässt die beiden Fronter Nathan Zorn und Keenan Pylychaty ein paar Worte im Wechsel an den Hörer richten. Wenn es im Math-/Hardcore epische Momente gibt, dann wohl in diesem Fall. Und schon kommen wir mit dem Titelsong ‚Victus’ zum Abschluss. Da man den letzten Tanz meistens besonders genießt, bevor man die Ballkönigin flachlegt, kommt hier noch einmal die richtige Stimmung auf.

FALL CITY FALL sind richtig coole Säue und live muss man sich die Ahörner in jedem Falle mal geben. Victory haut sie uns hier mal rüber.

Album-VÖ: 25.01.2013

http://www.gestromt.de/2013/01/24/fall-city-fall-victus/

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CONTINENTS – Idle Hands

(Victory Records)

Selbst ich sehe langsam aber sicher eine gewisse Sättigung im Metalcore-Markt und natürlich kann man mich jetzt an die Wand stellen und mir vorhalten, selbiges schon etliche Male vorgehalten bekommen zu haben. Aber ich habe eben immer die Hoffnung auf neue und innovative Ideen. Victory Records haben sich einen neuen Spross ins Boot geholt und wie immer hat man hier den großen Wurf gelandet. CONTINENTS aus dem Süden von Wales haben mit ziemlicher Sicherheit nichts gegen eine große Ankündigung und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich ein Markt für die jungen Briten erschließen, aber ob wir von Gestromt.de mit unserer Einschätzung und Wertung dort mitziehen, müssen wir erst noch im Einzelnen klären.

Der Kopfhörer sitzt, das iPad ist an und das Cover von „Idle Hands“ strahlt mir mehr oder weniger entgegen. Als Tattoo würde ich mir diese Gurke sicherlich nicht stechen lassen, nicht mal zwischen die Rille. An Nummer eins steht mit ‚224’ das Intro an. Kurzes Gitarrenjaulen und der keifende Gesang setzt zu einer pumpenden, fetten Doublebass ein. Der Übergang zum Titeltrack ist fließend und im Midtempo geht ‚Idle Hands’ an den Start. Hardcore-Attitüde und Metal-Anleihen sind vorhanden und wechseln sich in typischer Manier ab. Auch ‚Pegasus, Pegasus’ schießt in die gleiche Kerbe, offenbart uns aber das erste Mal einen Cleangesang. Klingt nicht so schlecht, da es eine ziemlich männliche Note zu vernehmen gibt, aber so richtig gut geht anders. ‚Inhale’ keift wieder etwas mehr und arbeitet mit etlichen Breaks an der Langaxt-Front.

Auch der instrumentale Melodiefaktor wird etwas nach oben geschraubt, gut gehalten, um dann am Ende wieder mit harter Note auf den Boden der Tatsachen geholt zu werden. In der Ami-Hymne kommt dieser Satz auch vor. ‚Land Of The Free’ bedeutet aber in diesem Falle leider nicht, sich frei von Trends zu machen, sondern den Stiefel weiter zu führen, wenn auch mit etwas mehr Tempo. Nach dem Intro findet sich mit ‚Sheeps In Wolves Clothing’ die kürzeste Nummer der Scheibe. Kurzer Text und längeres Geschrammel um danach mit ‚Regrets’ den nächsten Song einzuläuten. Aber es gibt eben an der Front nichts Neues. Und so ist auch der Rest schnell durchgeskippt.

Das Jahr 2013 fängt in meiner Musikwelt ziemlich mau an und CONTINENTS haben da auch ein wenig zu beigetragen. Langweiliger Durchschnitt, den ich schon etliche Male vernommen habe und das auch noch in besser.

Album-VÖ: 25.01.2013

http://www.gestromt.de/2013/01/21/continents-idle-hands/

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CALLEJON/KALLEJON – Man Spricht Deutsch

(Four Music Productions)

Die letzte CALLEJON-Scheibe konnte mich nicht vollends überzeugen. In meinen Top 20 von 2012 war für „Blitzkreuz“ einfach kein Platz zu finden. Zu gut waren da andere Metal/Core-Vertreter im vergangenen Jahr unterwegs und so bin ich gespannt, wie sich die Westfalen im Coverbereich schlagen werden. Dass man sich zu diesem Unterfangen allerdings anders schreiben möchte und durch Pseudoverwandte zu ersetzen vermag, ist reine Geschmackssache. Hätte man auch anders regeln können und der Titel ist mit „Man Spricht Deutsch“ überraschend gewählt, denn wo haben CALLEJON auch jemals etwas mit deutscher Sprache zu tun gehabt. Aber Spass beiseite. Eine Songauswahl aus deutschen Landen und in deutscher Sprache muss natürlich weise gewählt sein und mehrere Epochen sind durchaus gern gesehen. Da darf die neue deutsche Welle ebenso wenig fehlen, wie Aktuelles oder kurz Vergangenes. Ob mich allerdings als großer Verehrer der „Punk Goes Pop“-Sampler die Coverversuche von C(K)ALLEJON erfreuen, werden wir im Einzelnen verwursten.

Die Ärzte dürfen natürlich keinesfalls fehlen und so wurde mit ‚Schrei Nach Liebe’ nicht nur ein exzellenter Vertreter gewählt, auch Großmeister Bela B. gibt sich an den Vocals die Ehre und unterstützt Basti Sobtzick nach Kräften. Richtig schön böse und in bester CALLEJON-Manier wird das Ganze dann auch präsentiert. Asche auf mein Haupt, aber Fettes Brot sind nicht mein Fall. Ich glaube ‚Schwule Mädchen’ ist daher auch der einzige Song, der mir spontan einfällt. In vorliegender Version ist er allerdings erträglich und überzeugt sogar mit einer gewissen Schmissigkeit. Rothaarig und fuchsig wird es im Anschluss mit Peter Fox und seinem ‚Alles Neu’. Bei diesem Song, so wie bei allen Songs des Berliners, lohnt es sich das erste Mal auf den Text zu achten. Viel Inhalt zu gutem Instrumental. Treibend, fordernd und zu jeder Sekunde tanzbar präsentiert sich uns dieses Intermezzo.

Weitere Unterstützung von außerhalb gibt es dann bei Tic Tac Toes ‚Ich Find Dich Scheisse’. Aber Gott sei Dank von keiner der drei Fickprimeln, sondern von den Ghetto Rappern K.I.Z.. Sogar den rotzig nervigen Dialekt hat man inne und so wird die Nummer sicherlich in den deutschen Arenen ordentlich abgefeiert. Bei Tokio Hotel war es damals wie beim FC Bayern. Die meisten Lover und gleichermassen Hater. Ich gebs ja nur ungern zu, aber das Ding ist voll geil. Und ich wiederhole mich da gerne und ziehe mir den Zorn aller bärtigen und ungewaschenen Metaller zu, aber ‚Durch Den Monsun’ ala C(K)ALLEJON ballert und macht Spaß. Bei den Lyrics zu Sidos ‚Mein Block’ bekomme ich die Krise. Meine Theorie ist sowieso, dass alle Pseudo-Gangsta-Rapper Deutschlands in irgendwelchen Kurorten wie z.B. Bad Pyrmont aufgewachsen sind und uns nun die ganze „Böserei“ nur vorschwindeln. Aber das Teil ist Ok und man kann damit leben. Die Prinzen mochte hingegen früher wohl fast jeder. Fröhliche Texte und ein lustiger Moppel mit Pumuckelfrisur an der Front, das muss man einfach gern haben und so ist der Evergreen ‚Alles Nur Geklaut’ total gut und schön und muss einfach einen Platz auf dieser Scheibe haben. Mit ihrem nervigen Song zur Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland haben sich die Sportfreunde Stiller 2006 unsterblich in der deutschen Musikszene gemacht und dem Himmel sei Dank haben C(K)ALLEJON mit ‚Ein Kompliment’ eine andere Nummer gewählt. Gut vorgetragen ist das Ganze aber auf jeden Fall. Und was fehlte uns bisher, wurde aber eingangs kurz erwähnt? Genau, die neue deutsche Welle und so geht’s mit ‘Major Tom’ völlig losgelöst Richtung All. Hier sei die sehr coole Gitarrenarbeit zu erwähnen, die hingegen der eher einfachen „Welle-Strukturen“ beachtlich gut fordert. Wo wir vorhin eine Frisur angesprochen haben, von diesem Thema habe ich keine Ahnung, darf auch der singende Ex-Stylist Thomas D mit seinen Fantastischen Vier nicht fehlen, allerdings gibt es bessere Songs im Portfolio als das auserwählte ‚MfG’. Dieses Teil nervt mich irgendwie. Wer sich zum Abschluss dann der großen Düsseldorfer annimmt, sollte sein Fach aus dem Effeff beherrschen und ein paar dicke Klöten im Schlüpper haben. Aber nach dem zweiten Hörgang hat mir das Toten Hosen Monster ‚Hier Kommt Alex’ richtig gut gefallen und so findet man einen guten Schluss. Wer sich die Luxusversion bei Amazon zulegt, bekommt noch zwei exklusive Tracks mit ‚Chicago’ und Blümchens ‚Boomerang’ obendrauf.

Also mir macht das Ding im Großen und Ganzen richtig Spaß und wird sicherlich bei der einen oder anderen Autofahrt seine Verwendung finden.

Album-VÖ: 11.01.2013

http://www.gestromt.de/2013/01/07/callejon-kallejon-man-spricht-deutsch/

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HIGH HOPES – High Hopes EP

(This Is Core Records)

In letzter Zeit haben einige richtig gute Scheiben den Weg in die Verkaufsregale und Online-Verkaufs-Portale gefunden. Genregrössen wie As I Lay Dying und Parkway Drive haben gross vorgelegt und sind wieder einmal der Maßstab für alle nachfolgenden Versuche das Grossgebiet des Metalcore zu bereichern. Wie also könnten da die jungen Briten von HIGH HOPES gegen anstinken? Ob es nun ratsam ist, mit gerade einmal fünf Songs auf die große Karrierereise zu gehen? Nunja! Aber glücklicherweise ist ja die Qualität das Maß, an dem sich HIGH HOPES messen lassen müssen. Als eigenständig und ohne großartig irgendwelchen Vorbildern nachzueifern, wird der Fünfer aus Reading von ihrem Label beschrieben. Eigenschaften, die ich dutzendfach in den Mails der Plattenfirmen lesen darf und schluss und endlich gleicht meistens ein Ei dem anderen. So nun aber genug der Theorie, gehen wir in die selbst betitelte EP.

Den längsten Song der Scheibe gibt es mit ‚Look In The Mirror’ gleich zu Beginn. Frontmann Brian Turner fällt mit angenehmem Brüllorgan auf und die Instrumentalfraktion besticht dabei durch ihr eingängiges Spiel. Tempo und Druck sind angenehm ausbalanciert und variieren zwischen Midtempo und schnelleren Gefilden, ohne das diverse melodische Gitarrenparts zu kurz kommen. Bei ‚This Ends’ geht es ein wenig böser zur Sache.

Die Gitarre braten und einige Breakdowns werden gestreut, um dem Corebereich seinen Auftritt zu bescheren. Den besten Song bekommt der Hörer eindeutig mit dem Video Output ‚Eyes Behold’ kredenzt. Eine sehr geile und eingängige Melodieführung mit Ohrwurmfaktor. ‚Sick To Death’ bietet dagegen wieder so ein bisschen Einheitsbrei. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich ergreifend. Wo wir dann auch schon bei der letzten Nummer angelangt wären. ‚Black & Blue’ ist aber überraschenderweise ein ziemlich cooler Track, der mit einer Menge Abwechslung inklusive Gangshouts daherkommt und bietet einen guten Abschluss des kurzen Vergnügens.

Was am Ende bleibt, sind zwei sehr gute Nummern und dreimal biederer Durchschnitt. Von oben genannten Giganten ist man Lichtjahre entfernt und eine Annäherung ist für HIGH HOPES nicht zu erwarten. Ich hoffe die Jungs bekommen meine Kritik mit und belehren mich auf ihrer ersten Full Lenght-Scheibe eines Besseren.

Album-VÖ: 09.11.12

http://www.gestromt.de/2012/11/19/high-hopes-high-hopes-ep/

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ILL NINO – Epidemia

(AFM Records / Soulfood)

ILL NIÑO haben bekanntlich einige Jahre auf dem Buckel. Als eine der letzten großen Überbleibsel der Nu-Metal Szene, haben die Mannen aus New Jersey aber den Spass an der Arbeit scheinbar noch nicht verloren. Kein Wunder, hat man mit „Dead New World“ 2010 einen beachtlichen Zwischenspurt hingelegt. Davon, dass Cristian Machado und Co trotz all der Erfolge vergangener Jahre immer noch symphatisch daher kommen, durfte ich mich bekanntlich damals vor ihrem Gig in Braunschweig beim Face-to-Face Interview selbst überzeugen. Was könnte also bei der kommenden Rock-Epedemie namens „Epidemia“ noch schief gehen?

Mit ILL NIÑO-typischem Soundgewand geht es los. Allerdings fallen bei ‚The Depression’ gleich die sehr bösen Vocals auf. Bereits auf dem Vorgänger hatte man eine tiefere Grundführung des Gesangs ausgemacht. Aber da Cristian Machado bekanntlich auch richtig gut singen kann, sind die melodischen Parts nicht weit. ‚Only The Unloved’ ist ein weiteres Beispiel für sauber vorgetragene Gesangslinien. Da aber eine ordentliche Rockscheibe nicht nur aus Sing-Sang, sondern aus knallharter Instrumentalarbeit besteht, treiben die Gitarren, Bass, Drums und Percussion die Nummer mit Tempo voran. Der Titelsong mit dem weiblichen Zusatz „La“ davor, brüllt uns erst einmal ordentlich durch die Muschel. Auch hier darf die Gesangsleistung nicht unerwähnt bleiben. Von tiefsten Growls über Gekeife und Sprechparts ist etliches geboten. Da kommen einem sogar kurz die nicht genreverwandten Emmure in den Sinn, mit denen man in den USA sogar grad gemeinsam samt Static-X auf Tour ist. Aber um euch nun ein wenig aufs Glatteis geführt zu haben, natürlich handelt es sich hier nicht nur um einen Vergleich. Emmures’ Frankie Palmeri hochst persönlich wirkt bei dieser Nummer mit, denn spätestens beim Blick ins Booklet findet man ihn erwähnt vor. Nun aber Schluss mit Gastgeschenken, bei ‚Eva’ gibt es wieder ILL NIÑO pur zu genießen. Instrumental genial treibt diese Nummer von einem Höhepunkt zum nächsten und verbindet etliche Musikstile, ohne dabei jemals chaotisch zu wirken. Etwas gradliniger, aber nicht unbedingt langweiliger kommt ‚Demi-God’ daher.

Die Struktur ist klar aufgeteilt in harte und melodische Parts, die sich die sprichwörtliche Klinke in die Hand geben. Eine großartige Gitarrenarbeit findet man bei ‚Death Wants More’ vor. Auch die typischen Percussion-Parts finden ihren Platz in dieser schmissig-rockigen Nummer. Ein Radio-Intro, kurze Bongo-Parts und ‚Escape’ startet in die Runde. Auch hier finden die latein-amerikanischen Klänge ihren Einsatz und lassen keine Zweifel am Erkennungswert aufkommen. Gut getimet kommt etwas Ruhe ins Spiel. Allerdings nur ein kurzes Vergnügen. Ein durch Mark und Bein gehender Schrei reisst den Hörer aus der Stille. Trotzdem ist ‚Time Won’t Save You’ keine Ballernummer, sondern melodisches Midtempo. ‚Forgive Me Father’ reiht sich genau dort nach anfänglich, angezogener Geschwindigkeitsschraube ein und bleibt gemächlich bis rockig. Zum Schluss darf bei ‚Invisible People’ noch einmal zum grossen Pogo ausgeholt werden. Die Shouts sind aggressiv und die Aufklarung zur Melodie gut geführt. Ein ordentlicher Schlusspunkt für „Epidemia“.

Das Fazit gestaltet sich etwas schwieriger als erwartet. Einerseits hat man eine musikalisch hochwertige Darbietung erhalten, anderseits fehlen aber auch die Gassenhauer und Ohrwürmer bei ILL NIÑO‘s neuestem Output. Allerdings hat man dadurch auch kaum Qualitätseinbußen, denn die Jungs aus New Jersey hatten in der Vergangenheit zu ihren großen Hits auch eine Menge Durchschnitt im Angebot. „Dead New World“ bekam von mir volles Haus. 5 Blitze ziehe ich für „Epidemia“, da zwar die ganz großen Momente fehlen, aber trotzdem keine andere, ehemalige Nu-Metal Band solch eine grandiose Neuzeitentwicklung genommen hat. Hut ab.

Album-VÖ: 26.10.2012

http://www.gestromt.de/2012/10/26/ill-nino-epidemia/

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AXEWOUND – Vultures

(Search and Destroy Records)

Gehen wir gleich mal ans Eingemachte. Es gibt geile Bandprojekte und es gibt Scheiße. Letzteres aber jetzt nicht unbedingt in musikalischer Hinsicht gemeint, sondern eher im Bereich Tiefe und Langlebigkeit. Hat man solch ein Projekt erst einmal ins Herz geschlossen, ist es entweder schon wieder vorbei, oder eine Weiterführung ungewiss. Beste Beispiele meinerseits sind da Times Of Grace oder auch The Damned Things, wobei man bei Letztgenannten noch ein wenig Hoffnung schürt, eine weitere Rille spendiert zu bekommen, waren doch die Aktivitäten der Zusammenrottung von hoher Nachhaltigkeit geprägt. Bei der kanadisch-britischen Formation AXEWOUND haben wir namhafte Musiker von Cancer Bats, Bullet For My Valentine, Pitchshifter, Rise To Remain und Glamour Of The Kill in der Mannschaft, wobei sicherlich Brüllwürfel Liam Cormier (Cancer Bats) und Matt Tuck (Bullet For My Valentine) die Hauptrollen spielen. Seit Mai treibt die Kombo bereits ihr Unwesen und da das Ganze auch etwas für die heimische Anlage, den Mp3-Player oder das Autoradio bringen muss, ist mit „Vultures“ nun das erste Full Lenght erschienen.

Welche stilistische Richtung würde man aber bei dieser musikalischen Zusammensetzung einschlagen? Diese Frage beantwortet sich bereits nach den ersten Sekunden des Titelsongs, welcher zusätzlich noch von Avenged Sevenfold-Gitarrist Synyster Gates begleitet wird, von selbst. Tief brummende Langäxte und ein derbes Tempo, getrieben von fetten Drums, bringen Liam Cormier gleich in richtige Keiflaune. Diverse Breaks und ein klasse Solopart runden die erste Nummer ab und lassen die Hoffnung auf mehr zu. Allerdings geht es mit ‚Post Apocalyptic Party’ erst einmal im Midtempo weiter. Macht aber nix, denn die fetten Pantera-lastigen Gitarren machen richtig Laune. Kurze Verschnaufpause gibt es zur Mitte, wo auch ein Sprechgesangspart eingestreut wird. ‚Victim Of The System’ an Nummer drei darf die Schlagzahl gelegentlich wieder ein bisschen anziehen, wobei diverse Geschwindigkeitsvariationen herzlich willkommen sind. In den letzten Sekunden versucht man dann tatsächlich noch einen vermeintlichen Tempo-Rekord aufzustellen. Eine richtig geile Nummer bekommt man danach mit ‚Cold’ geboten. Nun darf sogar Matt Tuck gesanglich ran und bringt die melodische Note ins Spiel, wobei man aber kein Stück an Härte einbüßt. Ein Video gibt es zu dieser Ohrwurm-Nummer ebenfalls. Auch bei ‚Burn Alive’ darf das Oberhaupt von Bullet For My Valentine die gesangliche Nebenrolle spielen, hier bleibt die Songstruktur aber auf konstant hartem Niveau. Einige Gitarrenläufe dieses Tracks haben sogar ein wenig Melodic Death Metal-Charakter, die aber zum Ende hin wieder rockig aufgelöst werden. ‚Exochrist’, ebenfalls eine fette Midtemponummer, ist die bis dato rockigste Nummer auf „Vultures“ und hat gar etwas Tanzbares in sich. Pianoklänge sind in Mode und dürfen auch auf härten Alben einen Platz haben.

Wer hier aber eine kurze Einleitung zur erneuten Apokalypse erwartet, wird eines Besseren belehrt. Zwar setzen abermals die fetten Gitarren ein, allerdings hält man den längsten Track der Rille erst einmal auf Streichelkurs. Selbst als die derbe Vocalisierung einsetzt, gibt es keinen Abgehfaktor. Der Einsatz von Synthies und zartem Cleangesang erzeugt eine dichte Atmosphäre und macht ‚Collide’ zu einem kleinen Gesamtkunstwerk. Aber nach der Ruhe kommt bekanntlich der Sturm und so vergessen wir das Geschmuse und preschen mit ‚Destroy’ wieder ordentlich nach vorn. Das der Name Programm ist, kann man sich denken, trotz dessen handelt es sich hier nicht um den härtesten Songs des Albums. Das erste, was einem bei ‚Blood Money And Lies’ entgegen hüpft, ist eine saugute Schlagzeugarbeit. Die Toms ballern und die Fußmaschine gibt das richtige Tempo vor. Auch bei der letzten Darbietung ‚Church Of Nothing’ darf das Schlagzeug den Anfang machen und den Schlussakt einläuten. Hingegen aber der Vermutung, es könne sich hier um eine Midtemponummer handeln, halten sich hier die schnellsten Zwischenspurts von „Vultures“ auf. Es kommt eben nicht immer nur das Beste zum Schluß, sondern manchmal geht es eben auch ganz schnell (hat das jetzt jemand verstanden?).

Ob AXEWOUND nun von den betreibenden Musikern als kleine Unterhaltung, Zeitvertreib oder ernstes Projekt angesehen werden? Wir wissen es nicht. Jedenfalls macht „Vultures” eine Menge Fun und wird bei mir mit ziemlicher Sicherheit noch ein paar Mal rotieren. Einen Blitz ziehe ich aber ab, aufgrund der ungewissen Zukunft von AXEWOUND.

Album-VÖ: 12.10.2012

http://www.gestromt.de/2012/10/26/axewound-vultures/

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WE ARE THE OCEAN – Maybe Today, Maybe Tomorrow

(Hassle Records)

Die Basisfrage für alle WE ARE THE OCEAN-Fans in den vergangenen zwei bis drei Monaten war, in welche musikalische Richtung würde man sich auf dem kommenden Album nach dem Ausstieg von Dan Brown bewegen. War er doch in den vergangenen Jahren der einzige Aggressionsfaktor in der Band. Die Differenzen lagen ja bekanntlich in musikalischer Hinsicht und man konnte wohl über eine weitere Reduzierung der Härte spekulieren. Zumindest wurde kein Ersatz mehr an der Font verpflichtet. Spätestens beim ersten Video Output ‚The Road (Run For Miles)’ war dann klar, wo die musikalische Reise einen weiteren Höhepunkt finden soll. Meiner Meinung nach wäre auch ein Ausstieg von Liam Cromby katastrophaler gewesen, gehört er doch zu den besten Sängern, welche die englische Szene zu bieten hat. Live allerdings wird das Ganze dann aber etwas anders aussehen und die Leute vor der Stage müssen sich mit der Dynamik des Liedgutes zufrieden geben. Da wird sicherlich keiner mehr a la Dan Brown durchs Publikum marschieren. Genannter hat im Übrigen jetzt den Posten des Managers inne (wenn man sich das Interview im aktuellen Fuze durchliest, hat er mit der Band gar nichts mehr am Hut! – Zosse)

Kommen wir zu der Analyse von „Maybe Today, Maybe Tomorrow“. Mit dem Intro ‚Stanford Rivers’ geht es  sehr beschaulich los. Eine Tür und knarziger Fussboden sind zu vernehmen. Liam Cromby hat wohl den Raum betreten und marschiert zu einem Klavier, um das Ganze sehr behutsam einzuleiten. Dann allerdings gibt es mit ‚Bleed’ richtig auf die Nase. Viel Power, Tempo und der Gesang in Höchstform. Ein sehr guter Spagat zur hervorragenden letzten Scheibe „Go Now And Live“. Ein bisschen vom Gas geht es dann mit ‚Young Heart’, einem Song, der massgeblich die Richtung für das gesamte Werk vorgeben soll. Akustisch im Raumklangmodus startet ‚Story Of A Modern Child’. Tanzbar und großes Mitsing-Potential bietet dieser Ohrwurm mit großem Chormoment gegen Ende.

Ein geiles Schlagzeugspiel am Anfang von ‚Machine’ lässt selbige anrollen und klingt ein wenig nach den großen 30 Seconds To Mars. Übergangslos geht es zum anfangs erwähnten, ersten Video Output ‚The Road (Run For Miles)’, ebenfalls eine geile Mitsingnummer, die im Mittelpart ein wenig an ‚The Waiting Room’ durch ihren abwechselnden Gesang erinnert. Der längste Song auf „Maybe Today, Maybe Tomorrow“ heißt ‚Golden Gate’ und geht relativ smart zur Sache. Aber in gewisser Hinsicht sind alle Songs der Mannen aus Essex,England absolut radiotauglich. Der Titeltrack geht wieder mit etwas mehr Speed zur Sache, zumindest zeitweilig. Der Gesang darf hier auch mal wieder ein wenig kratzen. Im Chorus allerdings setzen WE ARE THE OCEAN auf große Momente. Der Rest der Scheibe liest sich auf ebenfalls hohem musikalischen Niveau inklusive einer akustischen Abschlussnummer. Dass Liam Cromby und Co diesen Part draufhaben, davon konnte sich neulich ein ausgewähltes Berliner Publikum live überzeugen.

Was am Ende bleibt, ist eine schwierige Entscheidung für den Fan, ob sich der Kurswechsel von WE ARE THE OCEAN positiv auswirkt, oder sich Abwanderungsgedanken ob des Dargebotenen breit machen. Ich finde es einerseits auch schade, dass sich die letzten Aggressionen aus dem Sound der Band verflüchtigt haben, andererseits hat man aber auch kein bisschen an musikalischer Qualität eingebüßt. Eine gute Freundin von mir meinte neulich zur neuen Scheibe: „Die sind aber ganz schön weich geworden.“ Fügte aber trotzdem einen positiven Eindruck an und genauso geht es mir eben auch mit „Maybe Today, Maybe Tomorrow“ und so ziehe ich für Ex-Frontmann Dan nur einen Blitz ab.

Album-VÖ: 21.09.2012

http://www.gestromt.de/2012/10/08/we-are-the-ocean-maybe-today-maybe-tomorrow/

KORN – Live At The Hollywood Palladium

(AFM Records / Soulfood)

Die Pioniere des Adidas-Metal sind back. Die Aufnahmen zu diesem Live-Werk sind zwar bereits gut ein dreiviertel Jahr her, aber das Label wird schon wissen, warum man der Fan-Schar dieses DVD/CD oder Blu-Ray/CD-Bundle so lange vorenthalten hat. Zu Ehren ihres letzten Albums „The Path Of Totality“ wurde im Palladium zu Hollywood eine amtliche Release Party auf die Beine gestellt. Die Kalifornier haben bereits eine beachtliche Karriere hinter sich gebracht. Der gesamte Globus wurde bereist und zu jeder wichtigen Dekade in vergangener Musik-Historie ein Album heraus gebracht. Egal ob man die klassischen Elemente des Rock bedient, oder neue und elektronische Pfade beschritten wurden, stets haben KORN eine amtliche Zahl an Scheiben verkauft und stets ihre Fans bedient. Streitbar sind Stilwechsel immer und so haben die Mannen um Jonathan Davis Lob und Kritik gleichermaßen für ihren Mut und Ausflug in den von Rock-Fans nicht gerade geliebten Dubstep-Bereich einstecken müssen. Aber letztendlich hat man sich in der Vergangenheit der Musikgeschichte stets an die Mutigen erinnert.

Dass man sich an KORN nicht erinnern muss, sondern dass sie totale Gegenwart sind, sollte nun in diesem doch recht kompakten Club in Hollywood abermals bewiesen werden und da es sich, wie eingangs erwähnt, um ein Release-Konzert handelt, hat man sich für eine strickte Trennung ihrer beiden Musikeinflüsse entschieden. Heißt in kurzen Worten Elektro vorne, Metal hinten. Wenn man sich schon eine ganze Schar an Tanzmusik-Experten in den Kader holt, muss man sie natürlich auch auf der Bühne präsentieren. Egal ob Skrillex, Excision, 12th Planet, Kill The Noise, Datsik, Downlink oder auch Flinch alle waren sie erschienen. Die Gastmusikerauflistung mag sich nun in gelesener Form nach Begeisterung anhören, ich musste sie aber von meiner Labelnotiz ablesen, ausser Skrillex und Kill The Noise kenne ich als Dubstep-Nicht-Nerd keinen einzigen von den Genannten.

Nachdem ich nun die Asche auf meinem Haupt verteilt habe, sieht das Bühnentreiben von KORN so frisch aus wie eh und je. Die Bühne ist zwar recht übersichtlich in ihrer Größe, gibt den Mannen aber trotzdem genug Raum, sich zu entfalten inklusive amtlichen LED-Wänden, die man zwar bereits aus vergangenen Tagen kennt, aber die fast komplette Decke über den Zuschauerköpfen in der Mitte? Das ist neu und gibt der Showausrichtung geile Effektmöglichkeiten. Das einzige was zu Showbeginn an Metal erinnert, sind das mit zwei Bassdrums ausgestattete Schlagzeug von Drummer Ray Luzier. James „Munky“ Shaffer, Fieldy Arvizu und Co. zupfen zwar gelegentlich an ihren Geräten, aber die Gastmusiker haben hier die Vormachtstellung.

Wenn man sich „The Path Of Totality“ angehört hat und sich nicht sicher ist, ob man es mögen soll oder nicht, der wird spätestens nach der visuellen Sichtung des Materials eine Meinung haben und ich wette es ist eine positive. Denn das Ganze kommt live verdammt gut rüber. Egal ob der Opener ‚Get Up’, ‚Chaos Lives In Everything’, ‚My Wall’ oder der gesamte Rest, hier kann man eindeutig abgehen. Bis auf die ersten paar Minuten, wo das Publikum lieber Handys und Kameras hoch hält, geht beim Rest der Punk ab. Was der Zuschauer aber stets erleben will, sind die Momente, in denen er mitsingen kann und spätestens ab Song Nummer acht ist es dann auch soweit. Mit ‚Here To Stay’ beginnt der rockige Teil im Palladium und auch meine Couch fängt nun an sich deutlich mehr zu bewegen. Und da sind sie auch schon, die Klassiker. ‚Falling Away From Me’, ‚Freak On A Leash’, ‚Got A Life’ und ‚Blind’. Auch ‘Another Brick In The Wall’ darf nach dem schier endlosen Anklingen lassen nicht fehlen. Als Jonathan Davis dann noch seine obligatorische Dudelflöte aus der Ecke holt, ist die Menge vor der Bühne endgültig verzaubert. Mit freiem Oberkörper spielt es sich eben besonders sexy.

Nach amtlicher Spielzeit und kurzer Sichtung des Interview-Materials bleibt ein insgesamt positiver Eindruck, der selbst von einigen stimmlichen Querschlägern Davis’ nicht getrübt wird. Im Endeffekt muss man als KORN-Anhänger selbst entscheiden, ob man im ersten Teil weiter skipt oder sich dem Dubstep-Reigen hingibt. Ich find beide Seiten cool und gebe 5 amtliche Blitze.

Album-VÖ: 07.09.2012

http://www.gestromt.de/2012/09/12/korn-live-at-the-hollywood-palladium/

STEVE FROM ENGLAND – Rooney

(DIY)

Ein Blick in die neu erstellte Bio der Jungs und man kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Unsere Vorzeige-Hardcoreler aus Hannover können eben nicht nur gut musizieren, sondern beweisen stets mit einer Portion Eigenironie, dass das Leben nicht immer nur von der harten Seite betrachtet werden muss, auch wenn man sich einem eigentlich ernsten Musikstil verschrieben hat. Aber mal ganz ehrlich, wer hat Bock sich beim Musik hören mit sozialkritischen Themen auseinander setzen zu müssen? Also ich mit Sicherheit nicht. Das große Geld wollen STEVE FROM ENGLAND auch nicht machen. Mittlerweile ist „Rooney“ das zweite Output, welches als Gratisdownload in die Massen geworfen wird.

Entweder ist man zu dämlich, oder man hat seinen Ferrari bereits anderweitig verdient. Um es selbst zu beantworten, ersteres sicherlich nicht, hat man doch stets den Eindruck, wenn man auf die Jungs trifft, es nicht mit Hirnis zu tun zu haben, sondern mit coolen Typen, die einfach nur Bock haben, zu mukken und das Ganze dann auch noch mit dem Volk teilen zu wollen. Aber immerhin gibt es “Rooney” dann doch für Nostalgiker in CD oder sogar in limitierter Auflage als Tape für kleines Geld zu erstehen.

Live hat man bei STEVE FROM ENGLAND immer Spaß. Viel Bewegung, dicke Eier und eine Menge Tempo. Wenn wir mal davon ausgehen, dass der Titel „Rooney“ sich auf Manchster Uniteds Stürmer mit dem Vornamen Wayne bezieht, so hat man eine mehr als passende Figur zur Namensgebung gefunden. Ist der Rooney Wayne doch das perfekte Synonym für den Engländer schlechthin. Musikalisch lassen sich die sechs Songs der EP schnell und schlicht beschreiben. Alle Titel knüpfen dort an, wo der klasse Vorgänger „Serenity Is Just A Relic“ aufhörte und man hat mit ‚Black Flags’, ‚Condescending’, ‚No Courage’, ‚Just Another Wisdom,Kid’, ‚End Of Truce’ und ‚Privilege’ eine gute Portion an neuen Livesongs.

Wie weiter oben erwähnt, machen die Mannen um Bassist und Bandchef Baake vor allem on Stage eine Menge Spaß und genau das ist auch das Leben der Hannoveraner. Zu hoffen bleibt, dass uns die Jungs noch lange erhalten bleiben und die Bühnen in und um Hannover oder auch in ganz Deutschland, Europa und der Welt bespielen werden. Meine gute Freundin Marlen liebt sie, ich liebe sie und der Rest muss sie spätestens ab jetzt lieben. Lediglich 5 Blitze gibt es diesmal nur, weil ich mir selbe Zahl an Songs mehr gewünscht hätte und es immer noch keine neuen Shirts gibt, wo wir wieder bei dem Thema Geld verdienen wären. So und nun schnallt euch an und lest die Biografie, die uns die Jungs zukommen liessen:

“BOAH EY! Nicht schon wieder diese bekloppten Möchtegern-Engländer! Und ich hatte noch gehofft, dass sie endlich ein Einsehen mit uns haben und mir zukünftig nicht mehr mit ihrem bescheuerten „Amateur-Hardcore“ auf meine sauber in den Schinkenbeutel verpackten Eier gehen. Pustekuchen!
Aber eins nach dem anderen: Auf Anraten eines Kumpels zog ich mir 2009 eine neue Band auf einem, zu dieser Zeit, angesagten Internet-Portal rein.„Steve from England“ aus Hannover…das scheinbar zu erzwingen geglaubte Lächeln blieb aus und auch auf die Musik folgte nur ein müdes Gähnen.
Trotzdem erschien dann Ende 2010 ihre erste LP mit dem Namen „Serenity is just a relic“! Wenn schon Scheiße, dann doch bitte gleich möglichst viel davon – schien das Motto dieses mit 14 Songs bestückten Machwerks gewesen zu sein. Was dabei raus kam, konnte sich jeder völlig umsonst auf deren Internetseite runterladen. Naja, wenigstens war ihnen bewusst, dass kein Schwein auch nur einen Pfennig investieren würde! Meine Festplatte hat sich nach dem Löschen übrigens per Pop-Up-Meldung persönlich bedankt, dass ich sie von dem Müll befreit habe.
Als Müll kann man dann auch die Resonanz der so genannten Fachpresse bezeichnen. “…gehört zum Besten, was in Sachen Newcomer aus dem HC/Punk-Segment 2010 zu hören war!” auf wasteofmind.de & “…fast noch ein wenig besser als Comeback Kid…” bei in-your-face.de sind absurderweise nicht die einzigen musikjournalistischen Totalausfälle, die ich in Online- und Printmedien lesen musste.
Als sie mir dann auch noch in der Rubrik „Helden von Morgen“ in meiner Metal-Hammer entgegenblitzen, war ich tatsächlich am Überlegen, mein Abonnement zu kündigen. Und wenn es dann schon einmal nicht läuft, im deutschen pseudo-journalistischen Hörempfinden, gewinnen diese Exil-Engländer auch noch im gleichen Sommer den „New-Blood-Award“ und ich muss mir Steve from England gleich zweimal auf dem Summer-Breeze-Festival reinziehen. Der Teufel scheißt halt auf den dicksten Haufen! Spätestens jetzt war mir klar, dass die Bandkasse für Bestechungsgelder geopfert worden sein musste.
Wahrscheinlich um den Fankreis wenigstens auf eine zweistellige Nummer zu erhöhen, hat die Band nun auch noch den ehemaligen Gitarristen von Lena Meyer-Landrut rekrutiert. Und als ob die Welt nicht gerade mit genügend Problemen zu kämpfen hat, verpesten die Jungs jetzt noch mit ihrer zweiten Platte den Äther. Zu mehr als sechs Songs hat es dieses Mal jedoch, zum Glück, nicht gereicht. Die EP trägt den innovativen Namen “Rooney!” und ist – wer hätte es gedacht – erneut frei zum Download erhältlich. Mal ehrlich – langsam wird es echt langweilig! Ich jedenfalls spar mir den Scheiß!
Aber wenn das so weiter geht, erstatte ich demnächst noch eine Anzeige wegen groben Unfugs. Und falls das nicht hilft, wünsche ich mir zu Weihnachten halt einfach einen Gehörschaden.

Steve from England – Helden von Morgen – dass ich nicht lache!”

Download “Rooney”: http://www.stevefromengland.de/

Album-VÖ: 29.08.2012

http://www.gestromt.de/2012/09/12/steve-from-england-rooney/

AT THE SKYLINES – The Secrets To Live

(Roadrunner Records)

Wenn ich jetzt in der Einleitung die Floskel “Ein neuer Stern am MetalCore Himmel” bringen würde, so hätten wohl weder das Label noch AT THE SKYLINES selbst etwas dagegen einzuwenden. Aber bis es eventuell soweit sein könnte, müssen die Jungs aus South Carolina erst einmal durch unseren harten Sound-TÜV. Im Jahre 2012 gab es ja bisher unzählige Veröffentlichungen im besagten Genre,wenn man nun aber der Presse-Info von Roadrunner Records glauben schenken sollte, wartet hier das ultimativ große Klangerlebnis auf die Hörerschaft. Etliche Liveerfahrungen hat der Sechser bereits mit Größen wie The Devil Wears Prada, We Came As Romans oder auch Emmure sammeln dürfen und so kann einem aufregenden Debüt nichts mehr im Wege stehen, immerhin ist man für die Aufnahmen über den großen Teich gekommen und hat sich in Schweden an Mastermind Frederik Nordström gewandt, der bekannt geworden ist durch seine exzellente Arbeit mit In Flames, At The Gates oder auch Soilwork. Was kann da eigentlich noch schief gehen?

Los geht die wilde Reise mit dem Opener ‘Hush’. Leider ist meine Presse-Info und meine Hörprobe in zwei Fällen nicht ganz identisch, was die Reihenfolge angeht. Falls ich hier für die finale Version etwas daneben liege, bitte ich dieses im Vorfeld zu entschuldigen. Nun aber zum Wesentlichen. Fette Breaks und Elektroklänge prägen den Sound gleich zu Beginn und die zwei Frontmänner, die sich abwechselnd mit Growls, Screams und Klargesang Gehör verschaffen, prägen das Gesamtbild. Bisher also nix Neues, aber trotzdem recht hörenswert. Mit ‘It s Cherried’ wird es dann kurzzeitig etwas vertrackter was die Gitarrenarbeit angeht und die klare Gesangslinie erinnert zeitweise etwas an Protest The Hero. Die Synthies geben dabei etwas Romanze in den Sound-Cocktail, welches dem Gesamteindruck dieses Songs ganz gut zu Gesicht steht.

Laut unserer Info wird das Soundspektrum auf “The Secrets To Live” als eine Mischung von Linkin Park bis A Day To Remember beschrieben. Um diese zwei Giganten allerdings zu erreichen, müssen AT THE SKYLINES nun aber ein bisschen mehr Gas geben. Und als wenn sie meinen Weckruf vernommen hätten, kommt mit ‘Shady Dreamin (Tension)’ ein wenig mehr Schwung in die Sache. Abwechslungsreich sind die Mannen um die beiden Frontleute Chris Shelly und Mark Barela mit Sicherheit, nur zu nervig darf das Ganze natürlich nicht werden.

Instrumental und mit einem guten Beat ausgestattet, präsentiert sich ’143 Princess’ und ist damit der erste Song auf der Scheibe, der mir richtig gut gefällt. Punkige Gitarrenläufe und eine verdiente Ruhephase zur Mitte hin, so kann es eigentlich weiter gehen. Leider ist die Nummer nur viel zu kurz. ‘Let’s Burn This’ macht es dann wieder etwas core-iger. Viel Tempo und ordentlich Doublebass lassen den Hörer nicht zu Ruhe kommen und auch die Synthies werden wieder etwas prägnanter. Turbulent mit ‘Turbulence’ ? Der Name ist hier nicht ungedingt Programm, zumindest nicht im instrumentalen Sinne. Vielleicht hatte der lyrische Verfasser beim Schreiben des Songs grad solch eine Phase. Wie auch immer, dieser Song hat eine gute Atmosphäre und reiht sich ins Gesamtkonzept ein. Die kurzzeitige Schwere der Gitarrenläufe gefällt hier ganz gut. ‘ Chapter 7′ hingegen darf wieder, zumindest streckenweise, etwas punkiger daherkommen und erinnert dann schon eher an die zwischendurch genannte Übergröße A Day To Remember. Sehr gute Nummer. ‘The Amazing Atom’ hingegen rundet das Gesamtgewicht des Albums ab und gehört daher, bis auf ein paar gute Gitarrenparts, eher zum durchschnittlichen Material. Allerdings ist hier als Höhepunkt eine Gastsängerin am Start, die sich doch verdammt gut anhört. Ein kurzes Elekrointermezzo gibt den Startschuss zu ‘Clear Eyes, Full Hearts’. Leider warte ich hier auf nennenswerte Höhepunkte, und das trotz Hoffnung, vergebens. Ein paar cleane Gitarren sind mir da eindeutig zu wenig.Der letzte Song heißt dann ‘Forgiveness (Release)’. Ob ich den Jungs allerdings vergeben kann, dass sie mir bei meiner Reviewpremiere (erste Review geschrieben auf dem iPad während meiner Geschäftsreise zu Wella im ICE) derartigen Durchschnitt anbieten, das weiß ich noch nicht. Sicherlich gab es in diesem Jahr eine Menge schlechterer Scheiben, aber auch ganz bestimmt einige viel bessere. Auf der Impericon Never Say Die Tour kann man sich im Herbst von den Livequalitäten AT THE SKYLINES’ dann selbst ein Bild machen und hoffen, dass sie dort mit Begleitern wie Stick To Your Guns, We Came As Romans, Bless The Fallusw. mithalten können. Für das Publikum vor Ort hoffen wir das einfach mal. Knappe vier Blitze.

Album-VÖ:31.08.2012

http://www.gestromt.de/2012/08/29/at-the-skylines-the-secrets-to-live/

OBEY THE BRAVE – Young Blood

(Epitaph Europe)

Im Moment haben es mir eher die etwas härteren Klänge der Musikwelt angetan. Und so kommen mir die Newcomer OBEY THE BRAVE (Ex-Despised Icon/ Blind Witness) aus Montreal und Ottawa in Kanada gerade recht. Richtig schön fett stampfender Hardcore mit ein wenig Metal on Top, könnten sicherlich genau das richtige Mittel sein. Aber natürlich sind und bleiben wir anspruchsvoll und lassen uns daher nicht alles um die Ohren hauen. Vorab konnte sich das interessierte Volk mit einer Auskopplung und dazu gehörigen Videos einen kleinen Vorgeschmack genehmigen. Auch die Jungs und Mädels von Impericon haben den Fünfer bereits in ihr Herz geschlossen und ihnen einen Merch-Space mit diversen Fanartikeln zugestanden. Ob es eher voreilig war, oder OBEY THE BRAVE ein Volltreffer sind, das wollen wir im Folgenden herausfinden.

Mit ‚Lifestyle’ stampft die Hardcore-Maschine los und in etwas mehr als einer Minute werden die Froschlocken aufgezeigt. Etwas metallischer wird es mit ‚It Starts Today’ und damit nimmt „Young Blood“ an Fahrt auf. Intensiv und häufig gesetzte Gangshouts lassen aber keinen Zweifel an der Hauptzutat aufkommen. ‚Self Made’ setzt nämlich den aggressiven Hardcore-Reigen fort. Die melodiöse Gitarrenführung bleibt aber als roter Faden erhalten. Die erste Single ‚Live And Learn’ und das dazu gehörige Video-Output sind ebenfalls sehr hörens- bzw. sehenswert. Mit zahlreichen Breaks ausgestattet, findet jeder Spinkicker vor der heimischen Anlage einen Grund, den ollen Kronleuchter von der Decke zu treten. Auch ‚Garde La Tete Froide’ lässt die Melodie erst einmal im Schrank und pumpt mit intensivem Drumming durch die Boxen.

Das ganz kurze ‚Grim’ füllt lediglich als kleine Elektro- und Scratcheinlage das Album und bringt mit ‚Get Real’ einen Song in Schwung, der mit Scott Vogel von Terror eine Hardcore-Prominenz an den Guest-Vocals präsentiert. Mit ‚Time For A Change’ wird der Name zum Programm und das Tempo wieder deutlich angezogen. Das Rezept der treibenden und melodischen Gitarren, gepaart mit diversen Gangverlautbarungen, wird dabei konsequent weiter geführt, findet aber zum Ende hin mit dem besten Solo der ganzen Scheibe gekrönt. ‚Unstoppable’ und ‚Early Graves’ führen mit gleicher Qualität das Debüt von OBEY THE BRAVE Richtung Ende. Last but not least bringt uns ‚Burning Bridges’ zum Schlusspunkt von „Young Blood“ und siehe da, die Rille bekommt sogar noch ein paar cleane Vocals zur Einstreuung spendiert.

Als Fazit bleibt ein sehr solides Debüt, welches mit Bands wie Hundredth und vielleicht For Today verglichen werden kann. Das Niveau beider Genannten erreicht „Young Blood“ mit Sicherheit. Zumindest ist man wesentlich melodischer unterwegs, als noch mit Despised Icon. Aber auch deren Fans sollten ein Ohr riskieren und so gibt es von mir ganz knappe, aber verdiente 5 Blitze.

Album-VÖ: 24.08.2012

http://www.gestromt.de/2012/08/22/obey-the-brave-young-blood/

P.O.D. – Murdered Love

(Razor & Tie / Soulfood)

Früher im regelmäßigen Turnus, hat es nun ganze vier Jahre gedauert, bis die Jungs von P.O.D. ein neues Machwerk und somit ein kaum noch zu erwartendes Lebenszeichen von sich geben. Einst im Reigen der New- und Rap-Metal Szene gefeiert und erfolgreich, nahm mit den Jahren und abebbenden Trends auch die Qualität der Alben des Vierers deutlich ab. Die Scheiben „Testify“ und das 2008 erschienene „When Angels And Serpents Dance“ waren bis auf ein paar kleinere Lichtblicke nur mit lauen Lüftchen ausgestattet. Nie wurden Qualitäten von „The Fundamental Elements Of Southtown“ oder der Überscheibe „Satellite“ errreicht. Mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass Frontmann Paul „Sonny“ Sandoval einfach nicht singen kann und dadurch diverse Änderungsversuche im Stil einfach fehlschlugen. Was also tun, wenn man sich auf dem berühmten absteigenden Ast befindet und sämtliche Kritiker ein Ende der Ära P.O.D. herbei sehnen? Genau, man nimmt alles zusammen, was man gelernt hat und versucht es allen Zweiflern noch einmal ordentlich zu zeigen. Mit „Murdered Love“ soll nun jenen das Maul gestopft werden, bei denen im Bandnamen PAYABLE ON DEATH nur noch letzteres Wort als Zustand übrig bleiben soll.

Mit dem Opener ‚Eyez’ geht es schon mal ziemlich groovig los. Ohne Zweifel erkennt man hier die Handschrift der Jungs aus San Diego, Kalifornien. Der Titelsong knüpft im Folgenden genau dort an und lässt zu Raps und diversen Wutausbrüchen einen gewissen Old-School-Flair aufkommen. Hoch hinaus wollen P.O.D. mit Song Nummer drei ‚Higher’. Zu coolen Beats und einem klasse Chorus, lassen hier Mitsingmöglichkeiten den Fans genug Raum, sich auszulassen. ‚Lost In Forever’, das erste Video-Output, stellt das Highlight auf „Murdered Love“ dar. Wer diesen Song nicht mag, kann sich den Kauf der Scheibe getrost sparen. Den Spaßpreis allerdings erhält die Nummer ‚West Coast Rock Steady’. Hier wird gebounct, mit Elektronik gespielt oder auch mal der Reggae-Slang in die Stimme gelegt. Könnte der ultimative Sommersong in der Rap-Rock/Metal-Welt werden. Auch die obligatorische Ballade darf natürlich nicht fehlen. Und so kann eine solche Schmuserei auch nur ‚Beautiful’ heissen. Bevor einem hier allerdings die Füße einschlafen, findet glücklicherweise zur Mitte des Songs ein kurzfristiges Riffing statt.

Die rotzigen Gitarrenklänge von ‚Babylon The Murderer’ lassen aber alle Müdigkeit verfliegen und so darf der Abgeh-Faktor wieder Einzug halten. Wer danach noch ‚On Fire’ ist, darf getrost weiter pogen. Wenn man auf „Murdered Love“ überhaupt von harten Songs sprechen kann, so ist dieser Song sicherlich einer der derberen Vertreter. Who is the ‚Bad Boy’? Markante Rap-Vocals und straffe Bassläufe prägen diese Nummer und lassen im Chorus tanzbare Klänge regieren. Kurzes Vogelgezwitscher bei ‚Panic & Run’ werden von punkigen Gitarren im Anschluss abgelöst und legen im Rock/Reggae-Gewand den Grundstein der vorletzten Nummer. Viel Tempo und Abwechslung prägen diese Nummer und lassen sogar Aggroausbrüche zum Ende zu. Am Ende steht mit ‚I Am’ der längste Song auf dem Programm. Tief getunte Gitarren und druckvolle Raps bestimmen das Bild und werden nur gelegentlich durch cleane Einstreuungen aufgelockert.

Was bleibt nun am Ende übrig? Sicherlich ist man als Old-School-P.O.D.-Fan hin und hergerissen. Einerseits weiß man, dass die Zeit für diese Art von Musik eigentlich vorbei ist, anderseits ist „Murdered Love“ aber auch nicht wirklich schlecht. Es fehlen wohl die großen Klötze wie ‚School Of Hard Knocks’, ‚Southtown’ oder ‚Satellite’, aber besser als die drei Vorgängeralben ist das aktuelle Werk allemal. Ob sich P.O.D. nach getaner Arbeit nun zur Ruhe setzen sollen, würde ich für mich nach einer erneuten Live-Sichtung entscheiden.

Album-VÖ: 24.08.2012

http://www.gestromt.de/2012/08/16/p-o-d-murdered-love/

FOZZY – Sin And Bones

(Century Media)

Wer schon einmal die große Ehre hatte, Chris Jericho live und face-to-face zu begegnen, der wird mir beipflichten. Dieser Mann hat eine unglaubliche Ausstrahlung. In unserem Reload-Interview von 2011 bewies er mir dann persönlich, dass zu einer tollen Aura auch ein nettes Wesen gehört und man muss sich nur einmal vorstellen, wie wir dort mit unserer kleinen digitalen Videokamera saßen. Der Mann ist durch seine WWE-Präsenz ja ganz andere TV-Kaliber gewohnt und trotz allem zollt er seinem Gegenüber den nötigen Respekt. Was noch für Chris Jericho spricht, ist seine Lernwilligkeit. Zwar begannen seine ersten Gehversuche im Musikbereich schon in der Jugend, so richtig zur Geltung kommt sein Stimmtalent erst seit den letzten Jahren. Auch live beherrscht er sein angeborenes Instrument ebenso wie sein Publikum. Entertainment ist eben eine der großen Stärken des ehemaligen WWE-Champions. Nun aber weg vom Wrestling und rein in die FOZZY-Ära. Da gibt es schließlich noch andere Mitstreiter. Einer davon ist Rich Ward, den man natürlich als Begrüder der Rap-Metaller von Stuck Mojo kennt und mit dem ich in den letzten Jahren einen losen Kontakt gehalten habe. Rich ist bekannt für seine Vielfältigkeit, aber man merkt ihm an, dass sein besonderes Augenmerk auf der Arbeit mit FOZZY liegt. Auch für seine Besetzungswechsel ist er in den letzten Jahren häufiger gefürchtet worden. Zuletzt traf es dann leider auch Bassist Sean B. Delson, der das Schiff verlassen musste. Aber die Reise geht weiter und so steht mit „Sin And Bones“ die neue und sechste Rille in den Startlöchern.

‚Spider In My Mouth’ ? Igitt sag ich da nur, aber so heisst numal Song eins und nach einem Gruselintro geht die wilde Metalfahrt ab. Mit FOZZY-typischen Bratgitarren und einem erstaunlich rau singenden Jericho wird Tempo aufgenommen. Natürlich dürfen auch die Melodien im Chorus nicht zu kurz kommen und so harmoniert gleich zu Beginn die Mischung ziemlich gut. Mit dem Song ‚Sandpaper’ wurde neulich ein beachtlicher Erfolg errungen. Bei den Kollegen von Loudwire setzte man sich im sogenannten Cage-Match-Contest gegen Bands durch wie Papa Roach oder auch Fear Factory und ergatterte so einen Platz in der Hall of Fame der Seite. Glückwunsch. Bei ‚Blood Happen’ darf auch Rich mal seine Vocals auspacken und so gewinnt das Ganze ein wenig mehr an Härte, einige Breaks und Tempowechselspiele inklusive.

Wer verschnaufen will, bekommt mit ‚Inside My Head’ die Gelegenheit. Das Tempo deutlich gedrosselt, kommen Jerichos gesangliche Fähigkeiten voll zum Tragen. Eine waschechte Heavy Metal-Nummer wird im Anschluss serviert. Mit dem Titelsong werden alle Genre-Register gezogen und so kommt der Headbang nicht zu kurz. Drummer Frank Fontsere darf die Einleitung zu ‚A Passed Life’ geben. Cleane Gitarren, weiche Bassläufe und eine durch Vocalizer getunte Stimme bestimmen das Bild. Gegen Ende allerdings verzerren sich die Langäxte und die Stimme nimmt wieder eine metallische Klangfarbe an. Wer gerne die Luftgitarre schwingt, bekommt bei ‚She’s My Addiction’ die Gelegenheit dazu. Viel Groove und noch mehr Rock’n’Roll sinden den Weg in die Ohren und treffen den richtigen Nerv zum Mit- und Abgehen. Etwas schwerer und leicht an Stuck Mojo erinnert die Nummer ‚Shine Forever’, allerdings ist natürlich der Gesang alles andere als Mojo-ähnlich. Auch Pianoklänge gibt es auf „Sin And Bones“ zu hören und so kommen wir mit ‚Dark Passenger’ zum vorletzten Song. Midtempo-lastig und mit gutem Gitarrenspiel ausgestattet, reiht man sich gut ins Gesamtgefüge ein und gibt dem längsten Song am Ende mit ‚Storm The Beaches’ eine Steilvorlage. Über elf Minuten ist das Ganze lang und geht ebenfalls mit kurzem Piano-Intermezzo los, um dann den Endspurt einzuläuten. Tempo darf bei einem ordentlichen Finale nicht fehlen und so kann der Hörer noch einmal FOZZY in Höchstform erleben.

Unabhängig von meiner guten Beziehung zu den Jungs, finde ich das neue FOZZY-Output klasse. Obwohl ich ja eher in corigeren Gefilden zu Hause bin, mag ich die klassische Note von „Sin And Bones“. Die Gitarrenarbeit ist hervorragend und die Drums sind auf den Punkt. Auch Chris Jericho darf sich langsam aber sicher zu den Besten des Genres zählen und so gibt es stramme 5 von 6 Blitzen. Rock and Roll and hail to the Walls of Jericho!

Album-VÖ: 10.08.2012

http://www.gestromt.de/2012/08/06/fozzy-sin-and-bones/

WHILE SHE SLEEPS – This Is The Six

(Search and Destroy Records)

Ich muss ehrlich zugeben, dass sich wahrscheinlich alle Metalcore-Scheiben, die ich jetzt noch bis zum Ende des Jahres durchkauen werde, mit der aktuellen Bury Tomorrow messen lassen müssen. Auch WHILE SHE SLEEPS werden nun in diesen Ring geworfen und haben das Pech, kurz danach veröffentlicht zu werden. Immer noch enorm hoch ist der Einfluss ihrer Landsleute. Nun wollen wir aber nicht von vorne herein schwarz malen und geben den Mannen aus Sheffield eine ehrliche Chance, sich zu beweisen.

Einige Male durfte die Band um Frontmann Lawrence Taylor bereits die deutschen Bretter heimsuchen und so steht sogar ein Auftritt beim Rock am Ring auf ihrer Referenzliste. Mit ihrem Debüt aus 2010 „The North Stands For Nothing“ errang man diverse Achtungserfolge und im aktuellen Jahr wurde sogar der Kerrang-Award für den besten Newcomer gewonnen. Die Vorzeichen stehen also gut und so kann mit ihrem zweiten Full Lenght Album eigentlich nichts mehr schief gehen.

‚Dead Behind The Eyes’ heißt der Opener und startet mit ordentlichem Wumms in die erste Runde. Rotzig, rockig und mit viel Druck und Breaks samt diversen Gangshouts wird geboten, was genau an diese Position gehört. ‚False Freedom’ darf dann etwas metallastiger starten und die Leadgitarre gibt hier eindeutig den Ton an, nur der Versuch im Shout melodisch zu klingen, gelingt hier nicht ganz. Ansonsten ist das Tempo auf mittel getrimmt und der Groove paßt. ‚Satisfied In Suffering’ darf wieder etwa „core-iger“ werden, ohne allerdings an melodischem Charakter zu verlieren. Mehrstimmiger Ganggesang rundet den Reigen ab und lädt nach mehrmaligem Hören zum Mitsingen ein.

Mit ‚Seven Hills’ bleiben sich WHILE SHE SLEEPS treu und auch hier spielt die erste Gitarre wieder eine große Stimmungsrolle. Drummer Adam Savage gibt dabei mit ordentlichem Punch den Takt an und treibt mit gutem Tempo die Nummer voran. Die melodischen Parts im Gesang sitzen gut und so wird außer der angesprochenen Geschwindigkeit auch Harmonie verbreitet. Apropros Harmonie. Was kann harmonischer sein als ein Piano-Intro? Mit ‚Our Courage, Our Cancer’ bekommt der geneigte Hörer genau ein solches geboten, auch wenn sich der Titel etwas weniger sorgenfrei anhört, darf hier ein wenig durchgeatmet werden, auch wenn die Mitte dabei mit gutem Punch aufwartet. Ein Titelsong muss / sollte immer ein Highlight einer Scheibe sein und so machen WHILE SHE SLEEPS hier auch keine Gefangenen und so kommt es nach kurzem Geschmuse wieder zu kräftigen Arschtritten.

‚The Chapel’ hingegen wartet zu Beginn mit cleaner Gitarre und spielerischer Fähigkeit auf, um dann auch genau dort zu enden und somit den obligatorischen „Verschnauf-Filler“ zu mimen. Nachdem es dann mit ‚Be(lie)ve’, ‚Until The Death’ und dem Rest der 12 Songs noch mal ordentlich auf die Fresse gibt, mit Ausnahme vom Outro ‚Reunite’, können wir auf Gehörtes beruhigt ein Fazit abgeben.

WHILE SHE SLEEPS machen sicherlich vieles richtig und auch besser als etliche ihrer Genre-Kollegen, allerdings fehlt hier ein gewisser Funke. Dieser Funke, der mich z.B. bei eingangs angesprochenen Bury Tomorrow, aber auch bei Stick To Your Guns, Memphis May Fire oder auch The Ghost Inside sofort in Brand gesetzt hat. Und so müssen für die Briten knappe 4 Blitze reichen, Tendenz aber steigend.

Album-VÖ: 03.08.2012

http://www.gestromt.de/2012/07/30/while-she-sleeps-this-is-the-six/

BURY TOMORROW – The Union Of Crowns

(Nuclear Blast)

Ganze drei Jahre ist es nun schon her, dass „Portrait“ das Licht der Metalcore-Welt erblickte. Das Debüt von BURY TOMORROW hinterließ dabei einen ordentlichen Eindruck mit einigen echten Hits an Bord. Besonders angetan hat es uns damals schon Gitarrist und Cleansänger Jason Cameron, der ganz ohne jegliche Autotunes und diversen Schnick-Schnack auskam und durch seine rauchige Röhre zu den Besseren gehörte. Durch die Vorabveröffentlichungen der Songs ‚Lionheart’, ‚Royal Blood’ und dem kürzlich erschienenen ‚An Honourable Reign’ wurde die Lust auf „The Union Of Crowns“ ordentlich angeheizt. Diverse Touren mit Genregrößen wie Alesana, Of Mice & Men, Asking Alexandria oder Attack Attack! haben den Jungs aus England mit Sicherheit nicht geschadet und so darf man gespannt auf das neueste Material sein.

Mit ‚Redeemer’ und ein paar satten Breakdowns samt führender Leadgitarre geht es gleich Richtung Tempo. Als Camerons Gesang das erste Mal einsetzt, fühlt man sich sofort im Königreich von „The Union Of Crowns“ angekommen. Der cleane Gesang gibt hier den Hauptton an und wird immer wieder von harten Shouts durchbrochen. “Parkway Drive mit cleanem Einschlag”, geht es einem hier unweigerlich durch den Kopf. Sauberer Start und mit ‚The Maiden’ geht der Reigen munter weiter. Das Tempo ist hier zwar nicht besonders hoch, aber spielerische Finessen findet man zuhauf, die immer wieder durch den Chorus aufgelöst werden. Einen Nachschlag? Bitteschön, mit eingangs erwähntem ‚Lionheart’ geht es in die dritte Runde. Wer den Song samt Video noch nicht kennt, hat wirklich was verpasst. Midtempolastig geht es los, um das Tempo mit führender Doublebass anzuziehen, um dann flüssig in einen dynamischen Chorus überzugehen. Nach einem grandiosen Finale springen wir zu ‚Message To A King’. Tempo, Tempo und nochmals Tempo. Wer jetzt nicht von der Couch aufspringt, leidet an irgendeiner orthopädischen Störung. Und wenn sich zu angesprochenem Tempo noch ein fast wispernder Chorus gesellt, dann weiß man, welche Handwerkskunst hier zelebriert werden muss.

Wie kann ich mit den Huldigungen aufhören, wenn mit ‚An Honourable Reign’ an Position Fünf einer der Überhits dieser Scheibe wartet. Ich schreibe jetzt nichts über diesen Song, sondern singe ihn einfach mit. Eine klare Empfehlung auch an alle Leser. Bei ‚Knight Life’ fallen einem unweigerlich die Gitarrenläufe auf, die eine erfreuliche Transparenz in den Song bringen. Auch Fronter Daniel Winter Bates darf sich hierzu nach Herzenslust auskotzen. ‚Royal Blood’ fährt im Anschluss mit einem der genialsten Chorusse der Scheibe auf. Wer jetzt immer noch nicht mitsingt, sollte hier einfach auf Stop drücken und die CD einem Musikliebhaber zukommen lassen. Wer es zwischendurch etwas vertrackter mag, dem sei der Start von ‚Bitemarks’ ans Herz gelegt. Klug arrangierte Breaks lassen einmal mehr die Handwerkskunst der Briten aufblitzen.

Und wie es so meine Art ist, breche ich hier die Einzelbeschreibungen ab, denn auch der Rest der 14 Songs ist dermaßen hochwertig, dass die Huldigungen ewig so weiter gehen würden. Dass die Jungs auch live überzeugen, davon durften wir uns damals im Vorprogramm von Alesana selbst überzeugen. Bei den Fans zu diesem Zeitpunkt noch recht unbekannt, dürfte sich das mit aktuellem Output schnell ändern. Ich bin mir sicher, BURY TOMORROW werden mit diesem Album steil durch die Decke gehen und einen Platz in meinen Top 5 einnehmen in 2012. Noch als kleinen Beschaffungs-Tip: Auf der Homepage der Jungs gibt es für 40 britische Pfund ein Superbundle, bestehend aus CD, signiertem Poster, Zipper und Poloshirt. Und nun sehr geehrter Zosse, bitte dieses Meisterwerk zur „Scheibe der Stunde“ machen.

Album-VÖ: 13.07.2012

http://www.gestromt.de/2012/07/11/bury-tomorrow-the-union-of-crowns/

THE GHOST INSIDE – Get What You Give

(Epitaph Europe / Indigo)

Ganze Zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass mit „Returners“ der Nachfolger ihres 2008 erschienenen Debüts „Fury And The Fallen Ones“ die Hardcore-Welt positiv erschütterte. THE GHOST INSIDE haben sich zu einer echten Größe im Genre entwickelt und mit allerhand Tour- und Festivalpräsenz eine beachtliche Fanschar herangezogen. Bei Wikipedia werden die Jungs aus Los Angeles, Kalifornien als Melodic Hardcore Band betitelt, wobei ihr bisheriges Material alles andere als weichgespült daher kommt. Nun haben uns ihre Kollegen von Stick To Your Guns vorgemacht, wie man trotz melodischem Einschlag seine Attitüde nicht vergisst und der Hörerschaft einen ordentlichen Energiebatzen vor den Latz knallt. Und diverse Vergleiche sind ob des neuen Materials des Fünfers durchaus angebracht.

‚This Is What I Know About Sacrifice’ zieht einem allerdings erst einmal die Socken aus. Hier ist nichts von Melodien zu vernehmen und diese eineinhalb Minuten braten im Midtempo mit ordentlichem Punch. So und nicht anders muss ein Hardcore-Album beginnen, um dann nahtlos in ‚Outlive’ überzugehen. Das Tempo wird schneller und die Gitarren knurren tief aus den Speakern, bis diverse Breaks die Nackenmuskeln anregen und der Kopf im Takt mitnickt. Mit ‚Engine 45’ haben wir den ersten Video-Output von „Get What You Give“ am Start und siehe da, es wird etwas melodischer. Klasse Chorus und die erste Möglichkeit, kurzzeitig mitzusingen oder gar die Feuerzeuge heraus zu holen, aufgrund des textlichen Inhalts. Mit ‚Slipping Away’ werden die eingängigen Gitarrenläufe dann teils beibehalten, ohne allerdings den gesanglichen Brüllpfad zu verlassen. Eine sehr intensive Nummer mit ordentlich Tempo und Livetauglichkeit. Pogen und kein Halten mehr ist die Divise bei ‚The Great Unknown’. Auch hier ist die Geschwindigkeit konstant hoch und wird nur gelegentlich durch Breaks gebremst, bis ein „only the strong will survive“-Ausruf das Finale des Songs einläutet.

Etwas punkiger und melodischer darf mit ‚Dark Horse’ einer der stärksten Songs des Album begrüßt werden. Man darf gespannt sein, wie THE GHOST INSIDE den cleanen Gesang live meistern, aber ich bin mir sicher, das wird. Nach dem Dunkel kommt das Licht mit ‚White Light’ und erweist sich mit seinen unverzerrten Gitarren zu Beginn als unerwarteter Energiebolzen, der Tempo und Härte perfekt vereint. Durch seinen melodischen Chorus ein weiterer Song mit hohem Wiedererkennungswert und mit knappen Fünf Minuten Spielzeit einer der längsten. ‚Thirty Three’ darf hingegen wieder etwas knackiger und kompakter daher kommen und man hat das Gefühl, Frontmann Jonathan Vigil kotzt sich jetzt so richtig aus. Auch bei ‚Face Value’ werden Vocals und Instrumente äußerst hart strapaziert und auch gegen Ende geht „Get What Your Give“ die Luft nicht aus. Bei ‚Deceiver’ denkt man Anfangs, die Speaker sind kaputt, ehe man nach kurzem Kabelrütteln den Gitarreneffekt bemerkt. Dieser Song ist sicherlich einer der Hardcore-lastigsten des Albums. Gangshouts, Breakdowns und Midtempo unterstreichen den kurzen Trip. Das Ende läutet mit ‚Test The Limits’ dann wieder eine schnelle Nummer ein und es darf noch einmal ordentlich abgegangen werden.

Mein Fazit zieht sich durchweg positiv durch die gesamte Scheibe und ich denke, THE GHOST INSIDE haben auf den klasse Vorgänger „Returners“ noch einmal einen ordentlichen Schwung an Eingängigkeit und Wiedererkennungswert draufgesetzt. Man kann nur hoffen, die Jungs in naher Zukunft endlich mit einer Headliner-Tour in Deutschland begrüßen zu dürfen. Ich wäre auf jedenfall dabei und gebe volles Haus!

Album-VÖ: 15.06.2012

http://www.gestromt.de/2012/06/16/the-ghost-inside-get-what-you-give/

SPINESHANK – Anger Denial Acceptance

(Century Media / EMI)

Damals auf einem Metal Hammer-Sampler habe ich sie entdeckt, die Jungs von SPINESHANK. Blutjung und unbedarft passten sie sich dem damaligen Trend des Nu Metal an. Mit „Strictly Diesel“ legten sie dann kurz nach besagtem Sampler ihr Debüt vor und landeten sowohl in den Staaten, als auch in Europa Achtungserfolge. Mit Dino Cazares und seinen Mannen von Fear Factory durfte man in der Folge diverse Gigs spielen und erlangte einen immer höher werdenden Beachtungswert. Mit dem großartigen Nachfolger „The Height Of Callousness“ setzte der Vierer aus Kalifornien dann ein größeres Ausrufezeichen in die Musiklandschaft und schaffte mit „Self-Destructive Pattern“ sogar noch eine weitere Steigerung. Hier merkte man deutlich, dass sich auch Frontmann Jonny Santos stimmlich weiter entwickelt hatte und so bot man klanglich noch mehr Abwechslung. Auch live unter anderem mit Chimaira und Ill Nino unterwegs, wuchsen die Erfahrungen und somit waren SPINESHANK eine feste Größe im Genre. Wie das dann mit Trends aber eben so ist, Haltbarkeitsgarantien gibt es leider keine und als Sänger Jonny Richtung Silent Civilian von Bord ging, drohte dem Monster SPINESHANK das endgültige Aus. Ein zuverlässiges Engagement in beiden Kombos war eben nicht mehr möglich. Aber wie heißt es so schön? Totgesagte leben länger. Und so kommt doch tatsächlich ganze neun Jahre später mit „Anger Denial Acceptance“ Album Nummer Vier (Best-of ausgenommen) an den Start. Aber wie bringt man seinen Musikstil in die heutige Zeit nach so einer langen Pause?

Satte 13 Songs werden dem Hörer auf „Anger Denial Acceptance“ spendiert und los geht die Fahrt mit dem Opener ‚After The End’. Löblich, dass man auf Introspielereien verzichtet und gleich Fahrt aufnimmt. Zumindest beim Gitarrensound kommt man gleich in nostalgische Gefilde und das Tempo ist ordentlich, nur beim Refrain geht man etwas vom Pedal. Und der Gesang? Nun ja, sagen wir mal ausbaufähig bis dahin. ‚Nothing Left For Me’ hingegen bietet eine sehr eingängige Linie, lässt aber auch hier die Intensität vergangener Tage vermissen. Der Titelsong mit seinen durch den Vocalizer gejagten Effekten hingegen bietet, zumindest am Anfang, die Intensität eines „The Height Of Callousness“, driftet aber nach kurzer Zeit wieder in einen belanglosen Chorus ab, um dann nur häppchenweise Schübe von Härte einzustreuen. Auch Songs wie ‚I Want You To Know’ oder ‚Everything Everyone Everywhere Ends’ bieten das selbe Bild. Richtige Hits a la ‘Smothered’, ‘Violent Mood Swings’, ‘Asthmatic’, ‘New Disease’ oder ‘Synthetic’ sucht man auf “Anger Denial Acceptance” vergeblich. Auch Einflüsse von Silent Civilian, zumindest im Bereich Tempo, hätten der Scheibe nicht geschadet. Man sollte jetzt aber kein ganz schlechtes Bild bekommen, allerdings haben wir nun mal 2012 und in dieser Zeit sind eben eine Menge Bands im härteren Sektor deutlich innovativer. Nicht zuletzt wegen dieser Tatsache haben es auch die Mannen von Fear Factory deutlich schwerer, heutzutage zu überzeugen. So sehr ich mich auf die Rückkehr SPINESHANKs gefreut habe, so ernüchtert bin ich nach vier Durchläufen der Scheibe immer noch. Wer die Kalifornier noch nicht kennt, sollte aber zumindest mal ein Ohr riskieren.

Album-VÖ: 15.06.12

http://www.gestromt.de/2012/06/07/spineshank-anger-denial-acceptance/

FEAR FACTORY – The Industrialist

(AFM Records)

Die Angstfabrik ist zurück! Ohne allerdings gleich im ersten Satz auf eventuell hohe Qualitäten hinweisen zu wollen, soll hier zuerst einmal über die Tatsache einer neuen Scheibe Auskunft gegeben werden. Der Vorgänger „Mechanize“ hinterließ bei der Anhängerschaft gemischte Gefühle und das, obwohl es zur Wiedervereinigung der alten Weggefährten kam. Ja, Burton C. Bell und Dino Cazarez sollen sich zwischenzeitlich richtig gehasst haben und der Split mit Raymond Herrera und Christian Olde Wolbers tat dann sein Übriges, dass der Vorgänger eben nicht wirklich einschlagen konnte. Nun ist mit Gene Hoglan gar ein weiterer Faktor von Bord gegangen und man durfte im Vorfeld von „The Industrialist“ erneut skeptisch sein, ob sich hier nicht eine weitere Arschbombe verbirgt und FEAR FACTORY endgültig den Bach runter gehen würden. Als dann aber mit ‚Recharger’ die erste Single vorab veröffentlicht wurde, zogen sich in der Fanschaft reihenweise die Augenbrauen hoch, klang das Ganze doch verdammt nach ihrem Meisterwerk „Demanufacture“. Da hat Rhys (Fulber, Produzent) die Mannen aus L.A. doch wohl nicht zu Höchstleistungen angetrieben?

Bereits der Titel gebende Opener begibt sich nach ca. eineinhalb Minuten in Richtung ‚Replica’ meets ‚Self Bias Resistor’ und klingt verdammt gut. Auch bei ‚New Messiah’ (auch als Videoclip zu bewundern) und ‚God Eater’ wird man das Gefühl nicht los, FEAR FACTORY haben zu alter Industrial-Macht zurückgefunden. Im Übrigen ist unsere Presseinfo mit einem lustigen Detail angereichtert. Das berühmte „für Fans geeignet von“ Spielchen. Da werden Kapellen wie Mnemic, Pain, Divine Heresy usw. angegeben. Man fragt sich zurecht, wer hier den größeren Bekanntheitsgrad hat. Aber das nur am Rande. „The Industrialist“ leistet sich auch im weiteren Verlauf keine nennenswerte Schwäche. Der Sound ist Bombe und pumpt die Bässe und Doublebass-Attacken durch die heimischen Boxen. Menschen, die in Mehrfamilienhäusern leben und sich dieses Monster zulegen, können sich aufgrund des immensen Drucks schonmal auf Beschwerden der Nachbarschaft einstellen, wenn man hier versäumt, den Bassregler zu betätigen. Aber die immer wiederkehrenden Harmonien gleichen die Attacken so gut aus, dass auch der Melodiefaktor nicht zu kurz kommt und vielleicht der ein oder andere Nachbar gar das Mitsingen anfangen könnte. Nun allerdings genug von den Menschen deiner Umgebung und zum Ende der zwölf Songs wird einem nach und nach klar, hier ist ein Monster entstanden, welches man sich im Laufe des Jahres und auch danach noch sehr lange zu Gemüte führen kann. AFM hat übrigens eine sehr hübsche Limited Edition in Form einer Statue heraus gebracht, also einfach mal bei Amazon vorbei surfen und danach Ausschau halten. Es lohnt sich und von mir gibt es volles Haus.

Album-VÖ: 01.06.12

http://www.gestromt.de/2012/06/04/fear-factory-the-industrialist/

THE BUNNY THE BEAR – The Stomach For It

(Victory Records)

Die deutsche Musiklandschaft wusste im letzten Jahr nicht so recht, wie sie mit der neuesten Errungenschaft von Victory umgehen sollte. Entsprechend weit auseinander gingen somit die Meinungen und Bewertungen. THE BUNNY THE BEAR sind aber auch ein Fall für sich. Beschrieben als tanzbarer Experimental-Metal, hatte der Vorgänger „If You Don t Have Anything Nice To Say“ eine ganze Menge an Einflüssen und Spielereien zu bieten. Und wer dachte schon, dass es jemals einen Sänger gibt, der an Coheed And Cambria herankommen würde. Rein von der Tonhöhe her versteht sich. Ansonsten runden diverse Synthie-Spielereien, Streichereinlagen und klassische Pianoschübe den Sound der Mannen ab. Von Gestromt.de (mir) gab es letztes Jahr zumindest den Innovationspreis für das wohl ungewöhnlichste Klangerlebnis in 2011.

Was soll man also nun davon halten, nach sehr kurzer Verdauphase, bereits einen Nachfolger präsentiert zu bekommen, welcher sogar bereits den dritten Output in drei Jahren darstellt, nach dem Debüt 2010. Nun sollte man gespannt sein, ob der Hase und der Bär für eine weitere klangliche Überraschung in ihrem Manga-Metal-Universum sorgen, oder den eingeschlagenen Pfad weiterführen.

Das Cover von „The Stomach For It“ ist, wie schon beim Vorgänger, wieder ein Fall für sich, aber ich bin mir sicher, auf einem Shirt wird es die Kids begeistern und bei den Gigs wird es seine Abnehmer finden. Nach dem tanzbaren Intro aus Pianoklängen und Dancefloor-Elementen samt weiblichem Sprechgesang, geht es mit ‚Sky’ zur Sache. Im Anschluss an eine kurze Nintendo-Sequenz, ist man in gewohnten Gefilden angekommen. Growls, Shouts und oben beschriebener, mordshoher Cleangesang begeben sich in den Koop-Modus. In der Folge jetzt allerdings jeden Song zu zerpflücken, wäre des Guten zu viel, denn sie reihen sich konsequent und nathlos in gleich bleibender Qualität aneinander. Ab und an wird das Tempo innerhalb eines Songs ein wenig angezogen wie z.B. bei ‚This Isn t Why You Made her’. Der Song ‚Lonley, Lonley, Lonley’ bildet für mich den Höhepunkt der Scheibe. Eine sehr coole Atmosphäre und eingängige Klanglinien bilden, gepaart mit einer Menge an Variation, die Speerspitze auf „The Stomach For It“. Die Abschlussnummern ‘Pieces’ und ‘It Kills Me’ folgen auf den Plätzen.

Eine wirkliche Überraschung ist die Scheibe dieses Mal nicht geworden. Warum sollte man sich aber auch in ein anderes Gewand begeben, wenn man sowieso schon einen ungewöhnlichen Sound hat? Wer THE BUNNY THE BEAR noch nicht kennt, wird sich jedenfalls beim Anhören (zu empfehlen) der Scheibe verwundert die Ohren reiben. Kenner und Fans hingegen können bedenkenlos zugreifen.

Album-VÖ: 25.05.2012

http://www.gestromt.de/2012/05/25/the-bunny-the-bear-the-stomach-for-it/

ARCHITECTS – Daybreaker

(Century Media / EMI)

Im letzten Jahr waren sämtliche Musik-Foren vollgepackt mit Diskussionen über die doch erhebliche Kurskorrektur im Stil der ARCHITECTS. Mir persönlich waren die Jungs aus England im alten Soundgewand meist zu sperrig und daher äußerst anstrengend. Wohl wissend, was Sam Carter und Co ihren DieHard-Fans mit „The Here And Now“ antun würden, spricht der erreichte Erfolg eine deutliche Sprache. Neue Fans haben sich erschlossen –mich inklusive- und die wenigsten der alten Fans sind abgesprungen, da bin ich mir sicher. An Aggressivität hat es dem 2011er Output auch wahrlich nicht gefehlt, nur war der Wiedererkennungsfaktor deutlich höher, die gesamte Scheibe sehr eingängig und daher auch meine persönliche Scheibe des Jahres. Und dass die Brightoner fleissige Bienchen sind, zeigt sich nicht nur in ihren umfangreichen Liveaktivitäten u.a. mit Bring Me The Horizon, sondern auch in der Tatsache, dass mit „Daybreaker“ bereits der Nachfolger im Kasten ist und bereit, das Licht der Welt zu erblicken.

Mit der Single und dem dazugehörigen Video ‚Devil’s Island’ hat man bereits Ende letzten Jahres aufhorchen lassen und sich zu diesem Zeitpunkt mit den vergangenen Unruhen in Englands Hauptstadt auseinander gesetzt. Der Song an sich gab eine gute Mischung aus altem und neuem Soundgewand. Mathige Strophen, melodiöser Chorus. Zwar im Grunde in dieser Konstellation nichts Neues, aber für eine Band im vermeintlichen Wandel doch äußerst interessant. Nun ließ sich im Vorfeld und nach Sichtung der Songs darüber spekulieren, ob es in einer neu und alt gemischten Form weiter gehen soll. ‚The Bitter End’ zumindest bildet einen eher ruhigen, atmosphärischen Start in die Scheibe.

‚Alpha Omega’, das zweite Video, hämmert dann nach kurzer Gruselsound Phase los und bildet den Anschluss an den Vorgänger „The Here And Now“. Man merkt aber auch hier, dass es mit einem Durchgang der Scheibe nicht getan sein wird, um sich weitestgehend zurecht zu finden. Auch ‚These Colours Don’t Run’ geht mit einer kurzen, bedrohlichen Introsequenz los und zum ersten Mal bildet sich ein deutlicher Spagat zwischen neuen und älteren ARCHITECTS. Auch im Laufe der Scheibe wird man das Gefühl nicht los, der Fünfer sucht den Kompromiss und ist gewillt alle sich bietenden Möglichkeiten zu verarbeiten. Dazu gehören sowohl diverse Elekto-Spielereien, wie ebenfalls vorhandene, klassische Pianoeinsätze wie z.B. bei ‚Truth, Be Told’, aber auch diverse laut und leise Dynamiken geben dem ARCHITECTS-typischen Sound die gewisse Kennung. Wie weiter oben bereits erwähnt, braucht „Daybreaker“ sicherlich mehr als nur einen Durchgang, damit man nicht enttäuscht den Vorgänger im MP3-Player zu suchen beginnt, ist doch eine ganze Menge „Math“ in den Post Hardcore zurück gekehrt. Für eine gute Aufstockung des Livematerials sind aber eine Menge neuer Perlen dabei und so haben die ARCHITECTS zwar keinen erneuten Rundumschlag gelandet, aber sicherlich auch einige der abgewandeten Oldschool-Fans wieder glücklich machen können. Weil aber „The Here And Now“ einfach eine unschlagbare Scheibe ist, bekommt „Daybreaker“ von mir nicht die volle Punktzahl.

Album-VÖ: 25.05.2012

http://www.gestromt.de/2012/05/22/architects-daybreaker/

STICK TO YOUR GUNS – Diamond

(Sumerian Records / Plastic Head)

Auch auf die Gefahr hin, die allgemeine Hardcore-Gesellschaft wird mich beim nächsten Konzert auslachen, steinigen oder auch „wegspinnkicken“, aber ich kann mit Oldschool-Hardcore a la Suicidal Tendencies, Madball, Sick Of It All und Konsorten so rein gar nichts anfangen. Auch beim letztjährigen Reload-Festival bin ich bei Agnostic Front’s Auftritt sanft dahin geschlummert. Ja, modern sollte sein. Hatebreed oder The Ghost Inside sind da schon mehr meine Baustelle UND natürlich, die hier zu besprechenden STICK TO YOUR GUNS. Eine Bemusterung gab es zwar leider nicht für uns, aber die Jungs aus Orange County sind nun mal meine unangefochtene Nr. 1 in Sachen Hardcore und so kann ich es mir natürlich nicht nehmen lassen und schiebe für Gestromt.de eine Sonderschicht ein. „Comes From The Heart“ und „The Hope Division“ waren ja bereits richtige Kracherscheiben, ‘Amber’ ein Übersong, aber dürfen die Jungs mit „Diamond“ einen weiteren Aufstieg verbuchen? Verschiedenste Reaktionen waren bei den Vorabveröffentlichungen zu vernehmen. Einigen zu soft und melodiös geworden, für andere dagegen eine Erleuchtung schlechthin.

Eine höhere Variabilität im Sound haben die Mannen um Fronter Jesse Barnett sicherlich in der Neuverpflichtung von Gitarrist und Ex-Evergreen Terrace-Member Josh James gefunden, denn auch im Gesang haben sich dadurch einige Möglichkeiten ergeben. Mit dem Titelsong ‚Diamond’ geht die Reise kurz und knackig mit dem typischen Dialog zur Einstimmung los. Die Gitarrenwand pumpt, die Drums wippen und mein Kopf beginnt im Takt zu nicken. Der Gesang setzt ein und die Atmosphäre baut sich das erste Mal groß auf, um danach in den ersten Oberkracher ‚Against Them All’ überzugehen. Schon vorab durfte man diese Nummer als Auskopplung begutachten und der Mitsingfaktor spricht für sich. Großartiger Chorus und die erste gesangliche Kostprobe von Josh James. Wer aber jetzt denkt, hier Melodien am Stück zu bekommen, sieht sich getäuscht. Zwar beginnt ‚Such Pain’ seicht, aber schon nach guten 30 Sekunden haben wir das erste waschechte Hardcore-Brett, auch wenn wir uns zwischendrin abermals mit aufbauender Atmosphäre samt Akustikgitarre beschäftigen dürfen, sind wir mit nachfolgendem Song ‚The Bond’ im Hardcore-Land angekommen und auch ältere STICK TO YOUR GUNS-Fans werden bedient, samt Gangshouts und Breakdowns.

Mit ‚We Still Believe’ haben wir dann unseren nächsten Oberhit-Superkracher am Start. Ja es hört sich alles zu schön an, um wahr zu sein, aber ich denke der waschechte Fan wird Freudentränen vergießen. Auch das Video zum Song kann sich sehen lassen und wurde von einem deutschen Unternehmen produziert. We will carry on und machen mit ‚Ring Loud (Last Hope)’ weiter, ein von Kindern gesungener Chorus inclusive. Kurz und knackig ummantelt mit waschechter Attitüde. Den reinsten Hardcore findet man im anschliessenden ‚Empty Heads’. Das wird alle Spinnkicker dieser Welt erfreuen und auch von der Spielzeit her zum Austoben geeignet. Oberknaller the next mit ‚Beyond The Sun’. Mitsingen ist erlaubt und man darf gespannt auf die Liveumsetzung kommenden Sommer in Germany sein und da Melodie seinen Platz braucht, haben wir hier unsere längste Nummer. ‚Life In A Box’ dagegen stellt mit 1:28 Minuten Spielzeit die kürzeste Spielzeit und der Hackeklotz wird wieder ausgepackt. Sehr erfreulich, dass es mit ‚Bringing You Down’ ein Song auf die Scheibe geschafft hat, der ursprünglich für ein Wallstreet-Thema verfasst wurde und weit vor Veröffentlichung von „Diamond“ das Licht der Welt erblickte und widerum einen Oberknaller der Scheibe darstellt. Da ja das Kürzel „I am“ in “Diamond” steckt, beschäftigt sich folgendes, kurzes Intermezzo mit der Reise ins ich. Eine Verlautbarung mit sicherlich persönlichen Gründen. ‚Build Upon The Sand’bildet dann den genialen Schlusspunkt. Eine saumässig intensive Nummer, die sogar mit Streichern im Hintergrund ausgestattet ist und sich in Sachen Atmosphäre förmlich überschlägt.

Man muss kein Prophet sein, um mein abschliessendes Fazit zu erahnen. Ja liebe Leser/Hörer, wir haben es hier definitiv mit der absoluten Hardcore-Scheibe des Jahres zu tun. Der Name ist Programm und für mich steht eine der Top 3 Platzierungen dieses Jahr bereits fest. Normalerweise höre ich eine Scheibe zwei bis drei Mal bevor ich sie rezensiere. „Diamond“ habe ich bereits an die zwanzig(!!) Mal gehört und von daher sind die Würfel gefallen. Volle sechs Blitze und von mir noch mindestens zwei dazu. Absolute Weltmacht!

Album-VÖ: 27.04.2012

http://www.gestromt.de/2012/04/16/stick-to-your-guns-diamond/

PHAROES – Circle Of Seasons

(Unsigned)

Da stöbert man, wie so häufig, auf diversen Band-Facebookseiten herum und entdeckt unter dem Letlive-Banner einen kleinen, huldigenden Eintrag mitsamt eines Videolinks. Na klar sollte man, sofern gestattet, sich ein wenig auf anderen Bandseiten promoten und damit sein Netzwerk versuchen auszubauen. Dem Ganzen sei Dank, habe ich für Gestromt.de eine echte Perle aus Schweden entdeckt, da sich hinter dem oben erwähnten Link eine echte Songperle, samt selbst produziertem Video verbarg. Prompt habe ich mich dann bei den Jungs von PHAROES verewigt und für unsere Leser glatt die Scheibe erobert. Einen Vertrag haben die Jungs zwar noch nicht, aber das soll uns an dieser Stelle nicht stören.

Der Titelsong zum Album splittet sich originellerweise in zwei Teile auf und schmückt sowohl den Anfang, als auch das Ende der Scheibe. Nach kurzer Introphase ertönt zu wummerndem Sound das erste Mal Ebbe Erikssons grandiose Stimme. Egal ob flüsternd, säuselnd, rau oder shoutend, die Vielfalt ist mehr als beeindruckend und hat mich bereits beim Anschauen des Videos gefesselt, welches mit ‚Stallion’ die zweite Nummer des Albums darstellt und schon jetzt einen DER Songs 2012 für mich darstellt. Man kann tun und lassen was man will, so leicht wird man diesen Ohrwurm nicht mehr los. Höhepunkt! Mit ‚New Lines’ geht es erst einmal etwas gemächlicher weiter, eine willkommen rockige Nummer mit sehr grooviger Note und wieder setzt der Gesang den klaren Schwerpunkt. ‚Relevance Of The Bullet’ gibt danach den erneuten Punch und bildet den Kontrapunkt zur vorherigen Nummer. Shoutereien sind auf dem Gesamtwerk zwar eher die Seltenheit, aber wenn, dann drückt es richtig. In die Tiefe geht es mit ‚Underwater Statues’, epische Klänge paaren sich mit Melancholie und echter Hingabe zu den Lyrics, samt Spannungsaufbau gegen Ende der Nummer. Die Instrumentalisten verstehen ihr Handwerk, Abwechslung wird hier groß geschrieben.

Bei ‚Gutter Scenary’ dürfen die Schrauben wieder etwas angezogen werden, die epische Ausrichtung wird allerdings beibehalten, geschrotet wird hier nicht. Der Bass darf bei ‚I Guess I’ve Got Nothing On Icarus’ in den Mittelpunkt rücken, auch Ebbe erweist sich einmal mehr als DAS tragende Element inklusive diverser Synthie-Spielereien und eines Gitarensolos gegen Ende. Mein zweiter Lieblingssong steht nun mit ‚Monophobia’ in den Startlöchern und hat endlich auch wieder eine raue Note, samt genialem Chorus. Der Titel ‚All Bark No Bite’ darf fast als härteste Nummer des Albums bezeichnet werden. Shouts, Sprechgesang und sämtlich andere Schweinereien, werden vorangetrieben von einer guten Portion Geschwindigkeit. Geile Nummer, aber etwas kurz. Scheint doch fast so, als sollten sich gegen Ende die ganzen härteren Nummern versammelt haben, auch ‚Trial’ ballert sich ordentlich den Weg frei und ist live sicherlich ein Antreiber. An vorletzter Stelle darf ‚Orchids’ zum Endspurt einladen und bildet eine letzte Verschnaufpause für den zweiten Teil des Albumtitels. „Circle Of Seasons’“geht damit in die letzte Runde, startet erzählend langsam und als man denkt, es bleibt eher ruhig, rattern kurz gestreute, aber intensiv und schnell gespielte Passagen durch die Boxen, welche allerdings nur ein zwischenzeitliches Gastspiel einläuten, um leicht und sanft die Scheibe zu beenden.

Nach meinen ganzen Ballerplatten in den letzten Wochen, bilden PHAROES aus Schweden eine willkommene Abwechslung. Ein paar härtere Nummern hätte ich mir zwar gewünscht, aber auch so kann man den Jungs eine gute Mischung attestieren. Der Gesang von Ebbe Eriksson ist absolute Spitzenklasse und mit ‚Stallion’ hat man, wie eingangs erwähnt, eine mächtige Granate im Gepäck, aber trotz aller Huldigungen müssen sich die Mannen erstmal mit 4 ½ Blitzen begnügen. Genug Motivation also für einen Nachfolger und mit Sicherheit dann auch unter der Flagge eines Labels.

Album-VÖ: 01.04.2012

http://www.gestromt.de/2012/04/02/pharoes-circle-of-seasons/


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